Bayreuther Festspiele : Gregor Gysi droht Wagner-Stiftung mit Klage

Im Kampf um die Festspielleitung auf dem Grünen Hügel in Bayreuth ist Nike Wagner ihrer Cousine Katharina 2008 unterlegen. Jetzt fürchtet sie, ausgebootet zu werden - und will sich mit Gregor Gysis Hilfe dagegen wehren.

Wagner-Figuren vor dem Festspielhaus in Bayreuth.
Gregor Gysi soll die Wieland-Wagner-Familie im Streit um die künftige Rolle der Familie bei der Gestaltung der Festspiele...Foto: dpa

Gregor Gysi, Fraktionschef der Linken im Bundestag, will als Anwalt für Nike Wagner und ihre Geschwister mehr Mitsprache bei der Festspielleitung durchsetzen - notfalls vor Gericht. Das rechtliche Fundament der Bayreuther Festspiele und der Richard-Wagner-Stiftung seien eng mit der Familie verbunden, sagte Gysi dem „Nordbayerischen Kurier“. Das könne man nicht außer Acht lassen. Ein Sprecher der Fraktion bestätigte einen Bericht der 3sat Sendung „Kulturzeit“, dass Gysi das Mandat von den Geschwistern Nike, Daphne und Wolf-Siegfried Wagner erhalten hat - den Kindern des früheren Festspielleiters Wieland Wagner (1917-1966).

Gysi sagte dem „Nordbayerischen Kurier“, der neue Mietvertrag für das Festspielhaus beeinträchtige die drei in ihren Rechten. Das Festspielhaus gehört der Richard-Wagner-Stiftung, in der Bund und Freistaat Bayern die Mehrheit haben. Die Stiftung hat das Haus im Frühjahr bis zum Jahr 2040 an die Festspiele GmbH vermietet. Weil dadurch Bund und Freistaat Bayern beinahe allein über die Festspielleitung entscheiden könnten, erwögen die Erben Wieland Wagners jetzt zu klagen, berichtete die Zeitung.

Gysi erwägt vor Gericht zu ziehen

Gysi sagte: „Ich werde daher bei der nächsten Sitzung des Stiftungsrats am Donnerstag anwesend sein - und will versuchen, die Mitglieder des Gremiums zu überzeugen, dass sie gut beraten wären, in dieser Sache einen anderen Weg einzuschlagen.“ Andernfalls erwäge er vor Gericht zu ziehen. „Das könnte dann eine langwierige Angelegenheit werden.“ Laut 3sat soll Gysi die Positionen der Wieland-Wagner-Familie im Streit um eine Neufassung der Stiftungssatzung und die künftige Rolle der Familie bei der Gestaltung der Festspiele vertreten.

Der Stiftungsratsvorsitzende Toni Schmid reagierte überrascht und skeptisch: „Ich höre davon zum ersten Mal“, sagte er der Zeitung. „Zum Zuhören bin ich immer bereit, um Umdenken normalerweise auch - aber in diesem Fall eher nicht.“ Der Mietvertrag mit der Festspiele GmbH war die Bedingung von Bund und Freistaat Bayern, für die Sanierung des Festspielhauses 30 Millionen Euro freizugeben. Festspiel-Chefin Katharina Wagner wird das Opern-Spektakel im kommenden Jahr zum letzten Mal mit ihrer Halbschwester Eva Wagner-Pasquier und danach allein leiten - ihr Vertrag wurde bis 2020 verlängert. Wielands Tochter Nike hatte sich 2008 ebenfalls um die Festspielleitung beworben, aber gegen ihre Cousinen verloren. (dpa)

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