Bayreuther Festspiele : Kulturstaatsminister für Doppelspitze

Im Streit um die Nachfolge der Bayreuther-Festspielleitung zeichnet sich immer mehr das Duo der beiden Schwestern Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier ab. In einem Brief bezeichnete Vater Wagner die Zusammenarbeit der beiden als "äußerst zukunftsträchtig" und auch Kulturstaatsminister Neumann befürwortet die Lösung.

Berlin/BayreuthKulturstaatsminister Bernd Neumann unterstützt den Vorschlag einer Doppelspitze von Katharina Wagner und Eva Wagner-Pasquier als künftige Leitung der Bayreuther Festspiele. Er begrüße es sehr, dass Festspielchef Wolfgang Wagner (88) in Aussicht gestellt habe, die Führung an seine beiden Töchter zu übertragen. "Mit der erfahrenen Opernmanagerin Eva Wagner-Pasquier und der Regisseurin Katharina Wagner könnten professionelle Erfahrung und künstlerische Innovation in der neuen Festspielleitung verankert werden", erklärte Neumann.

"Wichtig ist jetzt, dass die beiden Wagners zügig ein gemeinsames, tragfähiges Konzept vorlegen, auf dessen Grundlage der Stiftungsrat über die personelle und inhaltliche Zukunft der Bayreuther Festspiele treffen kann." Neumann äußerte die Erwartung, dass in naher Zukunft eine tragfähige und von allen Seiten akzeptierte Lösung in der Nachfolgefrage auf dem grünen Hügel in Bayreuth gefunden werden könne. Der Stiftungsrat wird am 29. April zusammenkommen, um die Nachfolgefrage zu erörtern. Der Bund ist im Stiftungsrat vertreten und unterstützt die Bayreuther Festspiele mit Zuschüssen.

Unterstützung für die Schwestern Wagner

Neumann würdigte Wolfgang Wagner, der sich um die Bayreuther Festspiele sehr verdient gemacht habe. Da er aber in einem hohen Alter sei, müsse jetzt verantwortlich die Nachfolge geregelt und ein Weg gefunden werden, wie man möglichst einvernehmlich die Leitung der Festspiele in fachlich qualifizierte, jüngere Hände übergebe. Wagner hat einen Vertrag auf Lebenszeit.

Auf eine baldige Wahl der beiden Wagner-Halbschwestern setzen auch die einflussreichen Mäzene der "Gesellschaft der Freunde von Bayreuth". "Ich hoffe, dass der Stiftungsrat die beiden Schwestern am 29. April zu Nachfolgern von Wolfgang Wagner wählen wird", sagte der Vorsitzende der Gesellschaft, Karl Gerhard Schmidt, am Montagabend im Deutschlandradio Kultur.

Nike Wagner wirft dem Stiftungsrat Vertragsbruch vor

Unterdessen wurde der komplette Wortlaut des Schreibens von Wolfgang Wagner (88) vom 8. April an den Stiftungsrat bekannt. Darin bezeichnet er eine künftige gemeinsame Festspielleitung seiner Töchter Eva (63) aus erster Ehe und Katharina (29) aus zweiter Ehe für "äußerst zukunftsträchtig" - möglicherweise auch unter Einbeziehung des Dirigenten Christian Thielemann. Den Zeitpunkt seines Rücktritts lässt Wagner aber weiter offen. Darüber will er allein bestimmen, wie aus dem Brief Wagners an den Stiftungsrat hervorgeht. Wagner betont, dass er beiden Varianten zustimmen würde. "In beiden Fällen wäre ich bereit, die Festspielleitung zu einem angemessenen, von mir zu bestimmenden Zeitpunkt abzugeben", unterstreicht der Festspielchef. Er endet mit den Worten, er baue auf einen entscheidungsfreudigen Stiftungsrat" bei der Sitzung am 29. April.

Schmidt wies den Vorwurf Nike Wagners (62), die sich ebenfalls um die Festspielleitung bewirbt, zurück, der Stiftungsrat würde "Vertragsbruch" begehen. Nike Wagner, Nichte des Festspielleiters, habe ein Konzept eingereicht, bei dem die Unterschrift von Eva Wagner-Pasquier fehle. Zudem würde Wolfgang Wagner deren gemeinsame Bewerbung nicht akzeptieren. (nim/dpa)

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