Bayreuther Festspiele : Nike Wagner tanzt aus der Reihe

Nike Wagner fühlt sich von ihrer Cousine hintergangen. Die Tochter des Wagner-Enkels Wieland kritisiert: Mit einer Doppelspitze Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner würden die Festspiele weiter einseitig von der Wolfgang-Linie dominiert.

Manfred Präcklein[dpa]
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Fühlt sich hintergangen: Nike Wagner.-Foto: dpa

BayreuthVor der möglicherweise entscheidenden Sitzung des Stiftungsrates der Bayreuther Festspiele über die Nachfolge von Wolfgang Wagner hüllen sich die Protagonisten in Schweigen. Nur Wagners Nichte Nike tanzt wieder einmal aus der Reihe. Sie fühlt sich von ihrer Cousine hintergangen. Eva Wagner-Pasquier will nun doch mit ihrer Halbschwester Katharina die Leitung der Richard-Wagner-Festspiele übernehmen. Mit dieser Doppelspitze würden die Festspiele weiter einseitig von der Wolfgang-Linie dominiert, poltert Nike Wagner in einem Interview der "Süddeutschen-Zeitung".

"Klüger, angemessener und interessanter wäre eine Zusammenführung der Linien Wieland und Wolfgang Wagner gewesen", meint die Tochter Wieland Wagners. Zugleich plädiert sie für eine Gewaltenteilung am "Grünen Hügel". Die Wagners sollten sich auf repräsentative Aufgaben beschränken und die künstlerische Leitung "in die Hände der besten Musiktheater-Macher dieser Welt" geben.

"Synchron mit dem Zeitgeist"

Für die Zukunft der weltweit renommierten Festspiele hatte Nike Wagner gemeinsam mit ihrer Cousine Eva beim Stiftungsrat ein Konzept eingereicht. Nach dem am Wochenende öffentlich gemachten Sinneswandel ihrer Cousine steht die 62-jährige Leiterin des Weimarer Kunstfestes als einsame Ruferin in der Wüste da, wenn sie die künstlerische Schieflage Bayreuths beklagt. Sie sieht die Gefahr, dass Bayreuth "mal wieder einmal verdammt synchron mit dem Zeitgeist ist, der die Künste auch anderswo gängelt, sich mehr und mehr an die große Konsensmaschine ausliefert, die irgendwo zwischen Medien, Markt und Gesellschaft funktioniert", sagt sie in dem Interview.

Ihre Cousine Eva Wagner-Pasquier hält sich dagegen nach ihrer kurzen Mitteilung vom Wochenende, in der sie die Bereitschaft zu einem gemeinsamen Konzept mit Katharina mitteilte, bedeckt und steht für Interviews bis auf weiteres nicht zur Verfügung. Noch vor einem halben Jahr hielt auch die 63-Jährige eine Doppelspitze mit ihrer 33 Jahre jüngeren Halbschwester Katharina für undenkbar. "Das kann ich mir in gar keinen Fall vorstellen", sagte sie noch im Herbst 2007. Zu tief saß der Vorwurf ihres Vaters, sie sei unfähig zur Führung der Festspiele.

Gemeinsames Konzept

Der plötzliche Tod von Gudrun Wagner, die die Entfremdung zwischen ihrem Mann und seinen Kindern aus erste Ehe aktiv betrieb, hat die Fronten aufgeweicht. Ihre Halbschwester Katharina ist mit dem Tod von Wolfgang Wagners Frau vom Verdacht befreit, "dass sie von ihrer Mutter gelenkt wird". Hinter den Kulissen basteln Eva und Katharina nun an einem gemeinsamen Konzept, in das sicher auch Haus-Dirigent Christian Thielemann einbezogen wird.

Nun liegt es an Vater Wolfgang, selbst ein deutliches Signal zu setzen und den Weg freizumachen für die Generation der Urenkel Richard Wagners. Ob bereits bei der Sitzung des Stiftungsrates am Dienstag kommender Woche eine Entscheidung fällt, bleibt offen. Der 88-Jährige müsste bis zum 29. April offiziell seinen Rücktritt erklären, damit seine Nachfolge auch juristisch sauber gelöst werden kann. Denn formal ist dies die Voraussetzung für die viermonatige Bewerbungsfrist, die fast auf den Tag genau an Wolfgang Wagners 89. Geburtstag, am 30. August, enden würde.

Auf juristische Spitzfindigkeiten will sich der Stiftungsrat nicht einlassen. "Wir werden uns streng nach der Satzung richten, damit sind wir gut beraten", sagt ein Mitglied. Nicht auszudenken, wenn Wagner, der alte Fuchs, wie in der Vergangenheit auf seinen lebenslangen Vertrag pochen würde. "Das wäre eine Katastrophe", mahnt ein einflussreicher Mann am "Grünen Hügel" seinen alten Freund, den Bogen nicht zu überspannen.

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