Bayrischer Filmpreis : "Auf sein Gesicht bin ich gespannt"

Bei der Verleihung der Bayerischen Filmpreise stand Edmund Stoiber als scheidender Ministerpräsident unfreiwillig im Mittelpunkt. Das Großaufgebot an deutschen Filmstars ließ sich die Show aber dennoch nicht stehlen.

München - Ihr bislang einziger Preis war auch ein bayerischer: "Vor gut zehn Jahren habe ich im Trachtenverein im Einzel-Schuhplattln gewonnen", verriet Hannah Herzsprung im Münchner Prinzregententheater. Dort wurde die 25-Jährige, die Kritiker als Jungstar der deutschen Schauspielerriege feiern, mit dem Bayerischen Filmpreis als beste Nachwuchsdarstellerin geehrt. Für ihre Leistungen im Film "Vier Minuten" nahm sie einen Porzellan-Pierrot entgegen. "Ich fühle mich wie eine Prinzessin", schwärmte Herzsprung auf der Bühne.

Ein Großaufgebot an deutschen Stars aus Kino und Fernsehen hatte sich am Freitag zur Gala des "bayerischen Oscars" versammelt - Hannelore Elsner war darunter, Senta Berger, Volker Schlöndorff, Joachim Król und Michael Mendl. Der wartete, wie so viele Gäste an diesem Abend, besonders interessiert auf den Auftritt eines Mannes: den des scheidenden Ministerpräsidenten und Gastgebers Edmund Stoiber (CSU). "Gestern seinen Rücktritt angekündigt zu haben und heute hier Chef dieses wunderbaren Preises zu sein - also auf sein Gesicht bin ich schon sehr gespannt", sagte Mendl im Vorfeld.

"Wer früher stirbt, ist länger tot"

Betont gut gelaunt und mit seiner Frau Karin an der Seite erschien Stoiber kurz darauf, strahlte in die Kameras und rief: "Was fotografiert's Ihr denn alles?" Ein bisschen erschöpft wirkte er vielleicht, ansonsten aber wurde er nicht müde zu betonen, dass ihn bei seiner wohl letzten Filmpreisverleihung als bayerischer Regierungschef keineswegs die Wehmut packe.

Die beiden großen Gewinner des Abends waren die skurrile Kinokomödie "Wer früher stirbt, ist länger tot" von Regisseur Marcus H. Rosenmüller und das Drama "Vier Minuten" von Chris Kraus über die Begegnung einer Klavierlehrerin mit einer jungen Mörderin in einem Frauengefängnis.

Rosenmüllers Überraschungserfolg vom Sommer, der bislang rund 1,3 Millionen Besucher in die Kinos lockte, erhielt neben dem Produzentenpreis als bester Film auch den Nachwuchsregiepreis. Darstellerin und Laudatorin Saskia Vester würdigte den Streifen als "bayerischen Blockbuster". Rosenmüller, der die Lausbubengeschichten eines Elfjährigen auf der Suche nach Unsterblichkeit als modernen Heimatfilm inszenierte, blieb auch auf der Bühne der Mundart treu: Es sei eine "unbändige Freid" für ihn, dass er diesen Preis bekomme, betonte er.

Thalbach überzeugte als Solidarnosc-Heldin

In gleich vier Kategorien triumphierte "Vier Minuten" von Chris Kraus. Monica Bleibtreu wurde vom Publikum als beste Schauspielerin für ihre Rolle der Klavierlehrerin gefeiert. "Du hast Dich wieder mal selbst übertroffen", betonte ihr Laudator Mendl. Erstmals in der Geschichte des bayerischen Filmpreises wurde der Pierrot für die beste Schauspielerin in diesem Jahr gleich zweimal vergeben. An ihrem 53. Geburtstag nahm auch Katharina Thalbach die Auszeichnung für ihre Rolle in Volker Schlöndorffs Film "Strajk - Die Heldin von Danzig" über die Geburtsstunde der polnischen Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc entgegen.

Stehende Ovationen erhielt Ehrenpreisträger Michael Verhoeven. Ministerpräsident Stoiber würdigte den Regisseur, Autor und Produzenten, der mit Filmen wie "Die Weiße Rose" oder "Das schreckliche Mädchen" internationale Erfolge feierte, als "großen Filmemacher" und als "großen Humanisten". Dass es in Deutschland eine so deutliche Aufarbeitung der Vergangenheit gegeben habe, "das verdanken wir ganz besonders so mutigen Regisseuren wie Ihnen", sagte Stoiber.

Tykwer für "Das Parfüm" ausgezeichnet

Tom Tykwer erhielt sich für seine Verfilmung des Weltbestsellers "Das Parfum" von Patrick Süsskind den Preis für die beste Regie. Die Publikumstrophäe für Sönke Wortmanns Dokumentarfilm "Deutschland. Ein Sommermärchen" über die Fußball-WM überbrachten - wurde in Abwesenheit des Regisseurs ausgezeichnet. Stellvertretend kamen die Fußballer Sebastian Schweinsteiger, Philipp Lahm und Oliver Bierhoff kickend die Bühne. (Von Marina Antonioni/ddp)

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