Beach House live in Berlin : Träumen statt trauern

Das Dream Pop-Duo Beach House ist derzeit mit gleich zwei neuen Alben auf Tour. In Berlin spielten sie nun im ausverkauften Huxleys.

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Victoria Legrand und Alex Scally machen als Duo "Beach House" surrealen Dream Pop.
Victoria Legrand und Alex Scally machen als Duo "Beach House" surrealen Dream Pop.Foto: Shawn Brackbill

Musiker, die von der Bühne herab leidenschaftliche Plädoyers für die Liebe halten, haben immer etwas Befremdliches. Auch Victoria Legrand, Sängerin und Keyboarderin der US-Band Beach House, spricht während des Welttournee-Gigs im Neuköllner Huxleys unangenehm oft über Liebe. Leicht entrückt, wie ein moderner Hippie, nuschelt sie "Love and peace in Berlin" ins Mikrofon, ausgerechnet als die andere Hälfte des Duos, Gitarrist Alex Scally, wutentbrannt hinter die Kulissen stürmt, um irgendeinen armen Techniker wegen Tonschwierigkeiten herunterzuputzen. Legrand jedoch bleibt ganz in der Rolle, die die verträumte, ja hypnotisierende Musik dieser Band seit ihrer Gründung vor zehn Jahren erfordert. Die 34-Jährige lässt die Fans Herzzeichen mit den Händen formen.

Ihre surreale Nymphenstimme streichelt über die Köpfe, legt sich wie eine warme Decke über die Schultern und es ist fast egal, was sie da singt, denn es klingt in jeder Sekunde so: "Alles wird gut, entspann’ und vergiss dich, greif’ die Hand neben dir." Und selbst die wenigen Momente, in denen sie brüllt und ihre beeindruckende Mähne wild schüttelt, werden gleich wieder von einem dicken Soundteppich aus orgelnden Synthies und Hall überdeckt. Leicht verspielte Beats wabern aus der Soundanlage.

Melancholie trifft Nostalgie

"It’s a vision, complete illusion", haucht Victoria Legrand jammernd in der Trennungshymne "Silver Soul". Hinter der Band, die auf der Bühne durch zwei Musiker verstärkt wird, blinkt ein Sternenhimmel aus unzähligen Lämpchen auf, transparente Gazestoffe leuchten grün und violett wie Nordlichter. Das Publikum ist wahrhaftig verzaubert, im Taumel und doch ganz ruhig. Denn Beach House erzeugt gerade mit den Songs des Durchbruchsalbums "Teen Dream" von 2010 eine Art schimmernden, leichten Mix aus Melancholie und Nostalgie. Träumen statt trauern, das ist ihr Rezept.

Die Songs der fünften und sechsten Studioalben "Depression Cherry" und "Thank Your Lucky Stars", gerade erst innerhalb weniger Wochen nacheinander veröffentlicht, klingen auf der Bühne mitunter deutlich lauter, kratzbüstiger. Das Schlagzeug und Scallys Gitarre liefern sich kurze, aber heftige Gefechte. Und doch haben die Stücke immer noch eine Wirkung, als hätte man gerade eine Stunde Mandalas ausgemalt. Die neueste Single-Auskopplung "Space Song" entpuppt sich als Powerballade im besten Sinne, sie macht benommen und wach zugleich.

Aufwachen aus der Konzerttrance

"In dieser Welt gibt es Hass", sagt Victoria Legrand schließlich und holt die Realität nach gut 90 Minuten Konzerttrance zurück in den Konzertsaal. Musik gebe es überall in der Welt, ob in Paris oder hinter dem Polarkreis. Wie man nach dem Horror weiter machen könne? Mit Liebe natürlich. Und selten erschien es richtiger, dass jemand auf einer Bühne so etwas sagt, selten konnte die Musik einer Band besser trösten als an diesem Abend bei Beach House.


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