Beatles : Ringo Starr wird 70

Wer im Schatten von Genies steht, hat einen Vorteil: Er verbrennt sich das Gesicht nicht in der Sonne. Ringo Starr, der älteste Beatle zum 70. Geburtstag

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Ringo Starr.
Ringo Starr.Foto: dpa

Ringo Starr, der das Glück hatte, acht Jahre lang mit drei Genies in einer Band zu spielen, ist vieles nachgesagt worden. Er sei ein präziser, sträflich unterschätzter Drummer, ein großer Komiker und sowieso ein guter Kumpel. Nur eines hat ihm keiner attestiert: den Genie-Status. Als John Lennon, Paul McCartney und George Harrison 1962 ihren Schlagzeuger Pete Best feuerten, kam er zu den Beatles, weil er als Trommler mit dem besten Beat in ganz Liverpool galt. Unangefochten waren Starrs Qualitäten aber nicht. Produzent George Martin ließ sicherheitshalber einen Ersatzschlagzeuger kommen, als die Band ihre erste Single „Love Me Do“ aufnahm. Und später, da hatten die Auflösungserscheinungen der Fab Four bereits begonnen, konnte es passieren, dass Kontrollfreak McCartney nachts im Studio Ringos Schlagzeugpart neu einspielte.

„The Dark Side of Liverpool“ heißt ein Stück auf seinem in diesem Frühjahr erschienenen Album „Y Not“, in dem Richard Starkey – so der bürgerliche Name – seine ärmliche Jugend beschreibt: „Only way out of there: drums, guitar and amp.“ Das Trommeln will er sich mit Stöcken selbst beigebracht haben, weil er als kränkelndes Scheidungskind viel Zeit zuhause verbringen musste. Bei den Beatles durfte er nur zwei Songs, „Don’t Pass Me By“ und „Octopus’s Garden“, selber schreiben, bei ein paar anderen, darunter „Yellow Submarine“ und „With a Little Help From My Friends“, ließen sie ihn singen. Als Sänger ist er eher ein Quäker und Grummler, seine Rolle in der Band war die des Klassenclowns und Nonsensphilosophen. Im Film „Help“ demonstrierte er sein Slapstick-Talent als von indischen Sektierern gejagter Popstar, und mit sinnfreien Sprüchen wie der Zukunftsvorhersage „Tomorrow never knows“ inspirierte er die Kollegen beim Songschreiben.

Musikalisch schien der Schlagzeuger das Ende der Beatles 1970 überraschend gut überstanden zu haben. Seine Soloplatte „Ringo“, für die alle drei Ex-Kollegen Kompositionen lieferten, ohne darauf gemeinsam zu musizieren, wirkt wie die informelle Fortsetzung des „Weißen Albums“. Die Singles „Photograph“ und „You’re Sixteen“ waren Nummer-Eins-Hits in den USA. Menschlich stürzte Starr ab, versank mit seiner zweiten Ehefrau, Ex-Bond-Girl Barbara Bach,im Jetset-Sumpf von Partys und Drogen. Seit 1990 ist er trocken, regelmäßig veröffentlicht er neue CDs, mit ein bisschen Hilfe vom Freund McCartney. Heute wird der älteste Beatle 70. Seinen Geburtstag feiert er mit einem Konzert in New York. Christian Schröder

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