Kultur : Bebelplatz-Skulptur: Kein Kompromiss: Ullmann korrigiert Strieder

Der israelische Künstler Micha Ullmann hat nach einem Treffen mit Berlins Stadtentwicklungssenator Peter Strieder erneut bekräftigt, dass eine Tiefgarage rund um sein unterirdisches Denkmal "Bibliothek" auf dem Bebelplatz die Skulptur nachhaltig beschädige. Strieders Sprecherin hatte im Anschluss an das Gespräch zunächst mitgeteilt, die Baugenehmigung für die Garage müsse erteilt werden, da sonst eine Entschädigungszahlung in zweistelliger Millionenhöhe anstehe. Ullmann habe sich "Bedenkzeit" ausgebeten, während der Senator mit dem Bauherren, einem Münchner Investoren, vermitteln wolle. Ein "Kompromiss" sei nun denkbar. Dies wurde von der Akademie der Künste im Namen ihres Mitglieds korrigiert. Ullmann selbst erklärte während einer Akademie-Soirée, er habe von "Kompromiss" nicht gesprochen. Befremdet habe ihn in dem Gespräch, auf welche Weise der Senator den Konflikt mit Ullmanns und Strieders unterschiedlichen Denkweisen erläutert habe: Der Israeli folge jüdischer Tradition, nach der ein Friedhof immer Friedhof bleibe, während christlicher Brauch nach 50 Jahren eine neue Nutzung erlaube. Dieser Satz sei nicht protokolliert worden. Auf die Frage, ob er sein Werk zurückzuziehen oder vor einer Umkellerung selbst zerstören werde, sagte Ullmann: Er könne und wolle Berlin nicht die Verantwortung für das Denkmal nehmen, das die Stadt einmal gewollt habe. Während des "Berliner Bücherfestes" auf dem Bebelplatz am Sonnabend und Sonntag wird die Akademie Unterschriften für ihren Protestaufruf sammeln, dem sich bisher unter anderem Christa Wolf, Harald Szeemann und Senta Berger angeschlossen haben. "Bücherfest"-Redner kündigten an, den Streit um die "Bibliothek" zum Thema zu machen. Der Erbbauvertrag zur Eingrabung der Garage rund um das seit 1994 bestehende Denkmal wurde vor einem Jahr unterzeichnet. In der Ausschreibung des Denkmals, das an die Bücherverbrennung durch NS-Studenten im Jahr 1933 erinnert, war die Garage nicht genannt worden. Erst vor wenigen Wochen hatten der Künstler und die Öffentlichkeit von der akuten Planung erfahren.

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