Kultur : Beethoven tollkühn

Jörg Königsdorf

Es grenzt an Tollkühnheit, in Berlin eine neue Kammermusikreihe zu starten. Denn paradoxerweise ist kaum irgendwo das Pflaster für Veranstalter so hart wie in der Klassik-Hauptstadt: Wo der größte Teil des Publikums durch Opernhäuser und Sinfonieorchester absorbiert wird, bleibt nicht mehr viel übrig – erst recht, seit die Orchester begonnen haben, die kammermusikalischen Aktivitäten ihrer eigenen Musiker selbst zu vermarkten. Die Berliner Konzertagentin Christine Douvier wagt es jetzt trotzdem: „Erlebnis Kammermusik“ heißt die kleine Reihe, die am Mittwoch im Otto-Braun-Saal der Staatsbibliothek startet.

Große Experimente sind natürlich noch nicht drin: Ein reines Beethoven-Programm soll das Publikum in den akustisch idealen, aber seltsamerweise kaum genutzten Saal am Kulturforum locken. Mit einem Künstler wie Anton Kuerti legt Douvier die Messlatte freilich hoch: Der Kanadier ist zwar in Deutschland nie berühmt geworden, gehört aber fraglos zu den bedeutenden Pianisten der Gegenwart.

Vor allem für seine Interpretationen des deutschen Repertoires von Beethoven bis Schubert (deren Sonaten er eingespielt hat) wird Kuerti international gefeiert. Er demonstriert seine Klassikersicht am Mittwoch an Stücken wie der „Mondschein“-Sonate und der „Les Adieux“. Dass im zweiten Konzertteil das Jacques Thibaud Trio für ein Beethoven-Streichtrio und das Klavierquartett opus 16 dazustößt, hat seine Berechtigung: Ohne die drei Berliner Musiker würde es Douviers Agentur wohl gar nicht geben. Als Ehefrau eines der Trio-Mitglieder übernahm sie seinerzeit einfach die Initiative, als sie sah, dass das Ensemble unzureichend gemanagt wurde. Kein Grund zur Sorge also: Mit tollkühnen Aktionen hat Frau Douvier Erfahrung.

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