Beethoven-Zyklus der Berliner Philharmoniker, Teil drei : Energieschub aus dem Inneren

Spannung, Entspannung, vitales Spiel: Die Berliner Philharmoniker setzen ihren Beethoven-Zyklus mit den Symphonien 8 und 6 fort.

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Foto: Monika Rittershaus

Mit 15 Minuten Verspätung beginnt dieser dritte Abend des philharmonischen Beethoven-Zyklus. Und es ist keine akademische Viertelstunde, sondern eine automobile. Oder besser gesagt: immobile. Denn durch die Sperrung der Hofjägerallee geht zwischen Urania und Potsdamer Platz am Donnerstag auf den Straßen gar nichts mehr. Selbst Simon Rattle erreicht seinen Arbeitsplatz nur mit Müh’ und Not. Um acht nach acht betritt er die Philharmonie, gemeinsam mit den letzten noch fehlenden Musikern und vielen nervlich angegriffenen Besuchern.

Beethovens Achter aber ist nicht das Geringste von all dem Stress anzumerken: Mit größtmöglicher Natürlichkeit entfaltet sich diese heiterste der neun Sinfonien, ein beglückendes Miteinander von Dirigent und Orchester ist zu erleben, kammermusikalisch dicht, als säße da nur ein Streichquartett auf der Bühne. Das Prinzip von Spannung und Entspannung, das alle Sätze prägt, vermittelt sich im vitalen Spiel ganz unmittelbar, weil jeder Energieschub, jedes Loslassen direkt aus dem Inneren des Kollektivs kommt. Simon Rattle zelebriert hier eine Feier der Lebensfreude, entdeckt dabei im Allegro scherzando einen Hauch Haydn, verleiht dem elektrisierenden Finale mendelssohnsche Transparenz und Leuchtkraft.

Die „Pastorale“ wirkt dagegen zunächst theorielastiger: Rattle will hier unbedingt seine Bewunderung für den komplexen Satzbau, die geniale motivisch-thematische Detailarbeit Beethovens hörbar machen. Also präpariert er im Eröffnungssatz so manchen Nebenaspekt heraus, der gewöhnlich überhört wird. Und in der „Szene am Bach“ erscheint ihm noch die kleinste Wellenbewegung der Streicher so kostbar, dass er darüber den musikalischen Fluss fast zum Stehen bringt. Das wirkt dann doch etwas bemüht – auch wenn der Dirigent stets als Fan agiert, nicht als Besserwisser.

Mehr Spaß macht es, wenn sich ab dem dritten Satz wieder die gelöste Stimmung aus der Achten einstellt, wenn es handfest zugeht beim „Zusammensein der Landsleute“, das Gewitter filmreif vorbeifegt und die Musiker schließlich in einem einzigen, gemeinsamen Atem den Gottesdank der Schlussapotheose anstimmen – wobei ihr Chef begeistert lautlos mitsingt.



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