Kultur : Bei Licht besehen

Transit zum Orient: der Zero-Künstler Heinz Mack im Pergamon-Museum

Michael Zajonz

Am Anfang war das Licht. Heinz Mack, der Mitbegründer der legendären Künstlergruppe Zero, beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit dem Orient. Ausgangspunkt war seine Faszination für das Licht der Wüste. Daraus erwuchs sein Interesse an der Kultur und Geistesgeschichte des Ostens. Mack wurde mit seiner Kunst zum Wanderer zwischen den Welten. Über den Wert kultureller Dialoge wird im Zeitalter islamistischen Terrors erbittert gestritten. Kann Kunst in die politische Realität eingreifen? Messbar nicht. Spürbar schon.

Vor ein paar Jahren machte Mack aus Goethes „West-östlichem Diwan“ ein Künstlerbuch. Der damalige iranische Staatspräsident Chatami, ein Goethe-Liebhaber von Graden, lud ihn daraufhin ein, in Teheran auszustellen. Eine großartige Chance. Auch wenn die Ausstellung an dem Tag eröffnet wurde, an dem die westlichen Alliierten in den Irak einmarschierten. Und wäre heute wohl kaum noch wiederholbar.

Zum 75. Geburtstag richtet das Berliner Museum für Islamische Kunst im Pergamonmuseum nun dem Maler, Bildhauer und Künstler-Diplomaten eine Ausstellung mit über 100 Werken aus. Keine Retrospektive, wie es Aufgabe der Nationalgalerie wäre, sondern eine Themenschau: „Transit zwischen Okzident und Orient“ zeigt, dass Dialog möglich ist, ohne sich anzubiedern – wenn das Trennende genauso bewusst wird wie das Verbindende.

Mack ist kein Romantiker. Ihn interessieren weniger Motive als Strukturen. Selbst wenn diese, wie unter dem Mikroskop, zu tanzen anfangen. Bewegendes und Bewegtes suchte Mack auch für seine Projekte in der Wüste, die er seit den sechziger Jahren in der Sahara oder Ténéré-Wüste verwirklichen konnte. Der 1968 gedrehte und in der Ausstellung gezeigte Film „Tele-Mack“ stellt seine tollkühnen Leuchtstelen, verspiegelten Pyramiden und rotierenden Scheiben im Wüstensand vor.

Im Atelier folgten keramische Objekte, die die gleißende Oberfläche arabischer und osmanischer Wandfliesen aufnehmen. Seit einigen Jahren überträgt der Künstler auch deren Ornamentfreude in großformatige Gemälde, die magisch von innen leuchten. Licht und Glanz als Lebensthema. Manchmal muss man hinaus ins Helle, um zu sich zu kommen.

Museum für Islamische Kunst im Pergamonmuseum, Sonderausstellungsräume im Nordflügel, bis 21. Januar. Katalog (Dumont) 30 Euro, im Buchhandel 48 Euro.

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