Kultur : Beklagt

Buchmesse (2): Empfang beim Suhrkamp-Verlag

Gerrit Bartels

Spricht man mit Joachim Unseld über den zum Jahreswechsel bevorstehenden Umzug des Suhrkamp-Verlages nach Berlin, schüttelt er den Kopf: „Der Verlag kann gar nicht umziehen.“ Unseld sagt das aus gutem Grund. Er selbst hat gegen den Umzugsbeschluss der Suhrkamp-Gesellschafter geklagt. Er bezweifelt, dass dieser gültig ist, da er gegen sein Votum als Gesellschafter zustande kam. Die Klage ist anhängig, ein für letzte Woche geplanter Verhandlungstermin wurde verschoben, da der Suhrkamp-Verlag gegen die Richterin einen Befangenheitsantrag stellte.

Hängt in dieser Hinsicht einiges in der Schwebe, so sind auch noch andere Dinge ungeklärt: Offen ist, ob nun das Deutsche Literaturarchiv in Marbach die Archive der Verlage Suhrkamp und Insel bekommt oder ob sie an die Frankfurter Universität gehen. Auch für das Verlagshaus in der Lindenstraße ist offensichtlich noch kein Käufer gefunden. Dessen ungeachtet lud Suhrkamp-Verlegerin Ulla Unseld-Berkéwicz am Mittwoch zum traditionellen Kritikerempfang, der dieses Jahr zum 50. Mal stattfand. Diesen Empfang werde es weiterhin geben, auch nach dem Umzug, sagte sie in ihrer Ansprache. Dann las Oswald Egger aus einem demnächst bei Suhrkamp erscheinenden und rund 800 Seiten langen Großwerk.

Natürlich waren wieder alle da in der Unseld-Villa. Rainald Goetz pries das neue Maxim-Biller-Buch „Der gebrauchte Jude“ und Stephan Thome war nicht unglücklich darüber, dass er beim Deutschen Buchpreis leer ausgegangen war. Nur Marcel Beyer wies seine Verlegerin darauf hin, dass sie ihn bei der Autoren- Aufzählung vergessen hatte. Aber auch er wird nächstes Jahr – wie alle anderen – wieder dabei sein. Was für ein Gerichtsurteil auch immer über den Umzug von Suhrkamp gefällt wird. Gerrit Bartels

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