Kultur : Bellende Congas

ROMAN RHODE

Gegen Ende der wilden Siebziger Jahre wurde Rubén Blades durch die Zusammenarbeit mit dem Posaunisten Willie Colón bekannt. Beide spielten die Revolverbrüder der New Yorker Salsa: Colón, der Puertorikaner aus der Bronx, war der Böse, Blades, der Harvard-Jurist aus Panama, der Gute. Unter dem Plattenlabel der Fania, damals die Salsa-Industrie schlechthin, setzten sie mit schlagkräftigen Texten und schroffer Posaune auf das Milieu in Spanish Harlem.Ihre Helden, Opfer von Langeweile und Gewalt, trugen Namen wie Pablo Pueblo oder Roberto Revólver. Blades karikierte sie durch näselndes Spanglish und allerlei Volksweisheiten von den Großen Antillen. Mit der Figur von Pedro Navaja, der - frei nach Mäckie Messer - nachts um die Straßenecken schleicht und sich im Zwist mit einer Prostituierten die tödliche Kugel einhandelt, landeten Colón und Blades einen der größten Salsa-Hits aller Zeiten. Die Strophen der Ballade gerieten zu einer lateinamerikanischen Hymne und das finale Blechblasgewitter ließ die Radios des Kontinents erzittern.Doch der Sturm hat sich längst gelegt. Beide Musiker verfolgten Solokarrieren und ersetzten die Bläsersätze durch Synthesizer, die engagierte Stadtfolklore durch Sentimentalismus. Blades rasierte sich seinen Schnurrbart ab, sang mit neuen Bands gelegentlich auf englisch, experimentierte mit Pop, Texten von Gabriel García Márquez, und versuchte sich als Schauspieler. Als Rubén Blades 1994 für das Amt des Präsidenten in Panama kandidierte, hatte ihm die musikalische Karriere drei Grammys eingebracht. Mit seiner ökologisch angehauchten Partei, die sich für die Rechte der indianischen Bevölkerung einsetzte, hatte Blades jedoch keinen Erfolg. Seine Popularität als Sänger dagegen blieb weit über die Landesgrenzen hinaus ungebrochen.Nun ist Blades zu einer Europa-Tournee gestartet, die ihn nach 13 Jahren erneut nach Berlin führt. Salsa steht hier allerdings im Hintergrund, denn der Sänger hat sich inzwischen einer Musik verschrieben, in der die Vielfalt der panamerikanischen Welt anklingt. Begleitet wird er von einer jungen Band aus Costa Rica, die aus der Folktradition kommt und ihre Saiteninstrumente auch mit Berimbau und peruanischen Holztrommeln in Einklang bringt.Trotz dieser Veränderungen hat sich Blades seinen sozialkritischen Blick bewahrt. Die aktuellen spanischen Texte sind, zusammen mit ihren musikalischen Arrangements, so bissig und poetisch wie in frühen Jahren. Wenn Blades in bitterer Erinnerung die US-Invasion in Panama heraufbeschwört, bellen die Congas. Und wenn er mit messerscharfer Ironie in die Haut eines gedungenen Mörders in Kolumbien schlüpft - dann läßt Blades noch einmal richtig seinen Revolver sprechen.

Rubén Blades tritt heute um 21 Uhr in derColumbiahalle auf.

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