Benefiz-Gala : Glamour, Pathos und Politik

Die Gala hat nichts mit der Berlinale zu tun, trotzdem setzt sie dem Fest ein Glanzlicht auf: Cinema for Peace. Promis wie Michail Gorbatschow, Leonardo DiCaprio und Catherine Deneuve werden am Montag in Berlin erwartet.

Elisabeth Binder
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Pink-Floyd-Gründer Roger Waters (l.) und Michail Gorbatschow

Im Russischen gibt es nur ein Wort für „Welt“ und Frieden“: „Mir“. Michael Gorbatschow, ganz in Schwarz gekleidet, lächelte, als Christopher Lee das gestern bei einem Vorgespräch im Adlon zur heute stattfindenden Gala „Cinema for Peace“ erwähnte. Dem Friedensnobelpreisträger ist der friedliche Fall der Mauer zu verdanken. Dem Pink-Floyd- Gründer Roger Waters verdanken die Berliner ein legendäres Konzert am Potsdamer Platz. Sein Werk „The Wall“, die musikalische Mauer, die den Künstler von der Welt trennt, erhielt 1990 dort eine ganz neue Dimension.

Am Sonntag gerieten die beiden Legenden ins Diskutieren. Vor zwanzig Jahren sei der Kommunismus wegen Unbeweglichkeit und Planwirtschaft zusammengebrochen, kürzlich der Kapitalismus wegen Gier, sagte Waters. Nun müsse man etwas finden, was zwischen den Extremen liegt. „Ich glaube, wir sollten unsere Energien darauf verwenden, die positiven Erfahrungen, die man im Kapitalismus und im Kommunismus gesammelt hat, auszuwerten“, sagte Gorbatschow. Ohne soziale Gerechtigkeit und Grundwerte könne die globalisierte Gesellschaft nicht überleben. „Es ist heute nicht mehr möglich, sich hinter verschlossene Türen zu begeben und von einem Paradies ohne die anderen zu träumen.“

Dass Gorbatschow im Jubiläumsjahr des Mauerfalls so früh schon nach Berlin gekommen ist, liegt daran, dass er selber sich stark für den Umweltschutz engagiert und einem Wunsch des Hauptsponsors BMW entsprechend den ersten „International Green Film Award“ übergeben soll. Der Berliner BMW-Niederlassungsleiter Hans-Reiner Schröder kündigte an, dass bei der Gala ein besonders umweltfreundlicher Wagen versteigert werden solle mit Autogrammen aller anwesenden Stars auf dem Armaturenbrett. Auch Leonardo Di Caprio will kommen. Beim Vorabgespräch bereits dabei war auch der britische Filmemacher Jeremy Gilley, der den jährlichen UN-Friedenstag der weltweiten Feuerpause am 21. September initiiert hat. „Ich glaube an meine Mitmenschen“, sagte Waters, der sich als „Atheist und Optimist“ bezeichnete, in seinem Statement. „Die Entwicklung über die Jahrhunderte habe gezeigt, dass das Prinzip ,Hund frisst Hund‘ falsch sei. Die viel bessere Strategie lautet ,Hund hilft Hund‘“.

Dass Künstler sich bei Cinema for Peace für den Frieden einsetzen, ist seit 2002 zu einer Art Tradition geworden. Mit dem 77jährigen Gorbatschow ist diesmal ein Politiker dabei, dessen Lebenswerk im Wesentlichen vom friedlichen Ausgang des Kalten Krieges bestimmt ist. Dabei ist er aber nicht stehen geblieben. Unter anderem ist er Mitinitiator der Umweltschutzorganisation „Internationales Grünes Kreuz“: „Ich wollte das Denken verändern“. Engen Kontakt pflegt er noch zum früheren Bundeskanzler Helmut Schmidt und zu Ex-Außenminister Hans-Dietrich Genscher.

Der wird auch erwartet zur Gala im Konzerthaus am Gendarmenmarkt , außerdem stehen Joschka Fischer, Catherine Deneuve, Ben Kingsley, Diane Kruger, Bob Geldof und Paulo Coelho und Ministerin Ulla Schmidt auf der Gästeliste. Ein Teil des Erlöses der Gala soll leukämiekranken Kindern in einem nach Gorbatschows verstorbener Frau Raissa benannten Zentrum in St. Petersburg zur Verfügung gestellt werden, ein weiterer Teil geht an die DiCaprio Foundation, deren Chefin Irmelin DiCaprio, Mutter von Leonardo, eigentlich auch zu dem Gespräch kommen wollte, aber noch mit einer Grippe kämpfte, die sie rechtzeitig zur Gala auskurieren wollte.

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