Benefizkonzert : Spitzentöne in der Staatsoper

Wo will dieser kühne Sänger hin? Was sucht er in Mozarts Heiligtum? Es geht um ein Benefiz für die Sanierung der Staatsoper Unter den Linden, und es ehrt den Star, der sich bereits 2007 mit der „Dichterliebe“ habilitiert hat, dass er es sich nicht leicht macht mit dem Wunschkonzert in der Philharmonie.

Sybill Mahlke

BerlinWo will dieser kühne Sänger hin? Was sucht er in Mozarts Heiligtum? Es geht um ein Benefiz für die Sanierung der Staatsoper Unter den Linden, und es ehrt den Star, der sich bereits 2007 mit der „Dichterliebe“ habilitiert hat, dass er es sich nicht leicht macht mit dem Wunschkonzert in der Philharmonie. Daniel Barenboim, Initiator dieses Einsatzes für das eigene Haus, welcher 235 000 Euro erbringt, dirigiert die fabulöse Staatskapelle, im Publikum werden die Kanzlerin und Otto Rehhagel gesichtet.

Und auf dem Podium Rolando Villazón, der Magnet. Der „Jahrhunderttenor“, der Künstler, der geliebt wird. Dabei steht er hier als Mittelpunkt in einem Event, dessen Programm nach höherem Sinn strebt. Der ganze erste Teil gehört Mozart. Die „Maurerische Trauermusik“ zum 9. November. Den Bläsern zugewandt, die musikalischen Partner also im Blick, spielt Barenboim das Klavierkonzert des Abschieds KV 595 mit geheimnisvoll feingliedriger Anmut. Der Pianist in Hochform, weil er diese Musik mit der Seele sucht. Es muss eingeräumt werden, dass der Latin Lover (bislang) kein Mozart-Tenor ist. Sein baritonales Timbre ist für den Silberglanz der Ottavio- und Tamino-Arien nicht geschaffen, schon der Ansatz des „Bildnis“ heikel in der Intonation. Vielleicht kann er daran noch tüfteln. Das Espressivo, die Glut, die ganze Welt zu umarmen, cielo e mar, sie diktiert zwar die Phrase „Ewig wäre sie dann mein“. Dennoch: Vorerst irrt der Sänger in der „Zauberflöte“ als kühner Fremdling herum. Mit Impetus und schönen Tönen bringt er die Arie des Lenski aus der Lindenoper mit, dramaturgisch die letzte Arie vor dem Tod in Tschaikowskys Werk. Und es wird deutlich, dass der Dirigent auch die schmissige Polonaise im dramaturgischen Zusammenhang der Tragödie Onegins sieht. Warum aber lässt uns die Sorge um die Stimme nicht los, selbst wenn der Sänger in der Sonne des Beifalls steht und das Orchester mit Barenboim „meine musikalische Familie“ nennt? Gewiss, er singt anrührend von der Einsamkeit des Don José und seiner Liebe zu Carmen: „La fleur que tu m’avais jetée“, er stemmt das hohe B und stärker noch die Spitzentöne eines Zarzuela-Ausschnitts. So könnte man auch Nothung, das Schwert, schmieden. Dann aber hieße es, nicht nur für Siegfried: durchhalten. Wo will Rolando Villazón hin? Auf Flügeln des Gesanges soll er schweben. Sybill Mahlke

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