• Benno-Ohnesorg-Theater: Lesung mit Wiglaf Droste und seinen Gast Benjamin von Stuckrad-Barre

Kultur : Benno-Ohnesorg-Theater: Lesung mit Wiglaf Droste und seinen Gast Benjamin von Stuckrad-Barre

Nadine Lange

Sie tragen beide keine Schuhe. Das ist die einzige Gemeinsamkeit. Sonst trennen Wiglaf Droste und seinen Gast Benjamin von Stuckrad-Barre im Benno-Ohnesorg-Theater der Volksbühne mehr als die zehn Meter, die zwischen ihren Tischen liegen. Droste sitzt in fast buddhistischer Ruhe auf seinem Stuhl, er liest konzentriert und singt gelegentlich. Seine verschrobenen Texte lösen alle halbe Minute Lacher aus. Als Stuckrad-Barre den Saal betritt, ist dann Schluss mit der Satire. Er lässt den CD-Player laufen und zappelt ein bisschen herum. So wie es sich gehört für einen Popliteraten. Die ersten Texte kommen trotzdem nicht an. Das wird anders, als Stuckrad-Barre sich auf seine Stärken besinnt: die sarkastische Kommentierung aktueller Ereignisse. Wenn der Autor mit einem Zeigestock herumstochert während er die Elvers/Lauterbach-Homestory nachspielt, erreicht er kurzzeitig erstaunlich hohe Witz-Werte. Droste, der so was mit Texten schafft, schaut dem Zampano mit den kurz geschorenen Haaren gelassen zu. "Man kann ihn ja nicht mit dem nassen Handtuch erschlagen," hatte er kurz zuvor gelesen. Da gibt er lieber einen väterlichen Tipp: Als Stuckrad-Barre das Publikum fragt, ob es noch mehr wolle, belehrt ihn Droste: "Das war jetzt ein Anfängerfehler. Schließlich ist eine Lesung Gegenteil von Demokratie." Da staunt der Benjamin und liest noch ein bisschen aus der Bild-Zeitung vor.

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