Kultur : Benzinpreise: Wer am Geldhahn dreht - Die Faktoren, die den Benzinpreis bestimmen

Bernd Hops

In den letzten Wochen ist der Rohölpreis kaum gestiegen. Er liegt bei 28 Dollar. Trotzdem steigen die Benzinpreise. Das liegt daran, dass vor allem die Nachfrage nach Endprodukten kurz vor Ostern stark zugenommen hat. Preistreiber seien vor allem die USA, erklärt Axel von Bülow, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes freier Tankstellen. Diese kauften derzeit in Europa massiv ein. Grund dafür ist zum einen, dass die USA ihre nationale Reserve im vergangenen Winter stark reduziert haben, um die Preise zu drücken, und die Vorräte wieder auffüllen müssen. Zum anderen fragten die Amerikaner mehr schwefelarme Kraftstoffe nach, die aber vor allem in europäischen Raffinerien produziert werden. Hinzu kommt, dass in Großbritannien eine Raffinerie durch einen Brand ausgefallen ist, die zu einem Großteil den amerikanischen Markt belieferte. Der gestiegenen Nachfrage steht so ein verknapptes Angebot gegenüber. Daher wird es noch einige Zeit dauern, bis die Preise wieder fallen.

Diese Erklärung setzte sich in der Diskussion über die aktuelle Preisrunde jedoch nur langsam durch. Seit Jahren bewegt sich die Diskussion über Benzinpreissteigerungen in festen Bahnen. Von vielen Politikern und Verbänden werden die Schuldigen schnell ausgemacht: entweder die Mineralölkonzerne oder die Organisation Erdöl exportierender Staaten (Opec). Die Konzerne wiederum verweisen auf den Staat und die hohen Kraftstoff-Steuern. In Deutschland liegt nach Angaben der Aral AG der Anteil der Abgaben (Mineralöl-, Mehrwert- und Ökosteuer) zurzeit bei über zwei Dritteln des Endpreises. Das heißt, von 2,14 Mark je Liter Normalbenzin kassiert der Staat 1,46 Mark. Nur 56 Pfennig vom Endpreis gehen auf Produktkosten zurück. Dem Konzern bleiben 12 Pfennig pro Liter, um Mitarbeiter zu bezahlen, zu investieren und als Gewinn.

Ihre Marge versuchen die Mineralöl-Unternehmen seit Jahren zu erhöhen, die Erfolge waren wegen eines anhaltenden Preiskampfs zwischen den Ketten allerdings mäßig. So gab Aral Anfang April das schlechteste Geschäftsergebnis seit 15 Jahren bekannt. Und auch Axel von Bülow, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes freier Tankstellen, sagt: "Die Erträge sind schlechter geworden." Neben den Tankstellen-Ketten beklagen sich auch die Öl-Staaten. Sie versuchen, die Preise bei einem Absacken der Notierungen an den Öl-Märkten durch eine Einschränkung der Produktion wieder anzuheben. Die Opec strebt als Ziel eine Preisspanne von 22 bis 28 Dollar je 159-Liter-Fass (Barrel) an. Und in dieser Bandbreite liegen die Preise derzeit.

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