Beratung über Berliner Kulturhaushalt : Wunsch und Realität

Im Berliner Abgeordnetenhaus läuft die mit Spannung erwartete Beratung des Kulturetats im Hauptausschuss. Woher das Geld kommen soll? Man nimmt von den einen und gibt es den anderen.

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Aufführung von Sasha Waltz.
Sasha Waltz hat mit ihrem Weggang aus Berlin gedroht, sollte ihre Compagnie nicht mehr Geld bekommen.Foto: dpa

Großer Andrang der Freien Szene im Berliner Abgeordnetenhaus. Es läuft die mit Spannung erwartete Beratung des Kulturhaushalts in zweiter Lesung im Hauptausschuss. Es geht um viel Geld. Und um Existenzen. Zuletzt, Mitte September, hatte der Kulturausschuss ja überraschend 3,7 Millionen Euro mehr für die Künstler in Aussicht gestellt – nicht zuletzt nach einer breit aufgestellten Protestkampagne der Koalition der Freien Szene. Diesem Plan zufolge sollte unter anderem die Compagnie von Sasha Waltz eine Million zusätzlich pro Jahr erhalten, die Konzeptförderung um 600 000 Euro aufgestockt sowie ein eigener Titel in Höhe von 250 000 Euro für Nico and the Nagivators geschaffen werden.

Alles schön und gut. Nur die Gegenfinanzierung fehlte. Entsprechend machten zuletzt bange Spekulationen die Runde, ob der Hauptausschuss die schöne Wunschliste komplett zerpflücken würde. Brigitte Lange, kulturpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, ließ sich in der Presse vorsorglich düster vernehmen: „Es sieht ganz schlecht aus.“

Sasha Waltz droht mit ihrem Weggang aus Berlin

Nun kursiert bereits am Nachmittag des sich endlos ziehenden Sitzungstages ein Änderungsantrag von SPD und CDU, der ein abgespecktes Bild der Lage bietet. Zu Redaktionsschluss war darüber zwar noch nicht beraten worden. Hoch wahrscheinlich aber, dass er durchgewinkt wird. Falls ja, dann gibt es für die Freie Szene keinen Grund zum Jubel. Und vor allem nicht für Sasha Waltz & Guests. Wiederholt hatte die Künstlerin mit ihrem Weggang aus Berlin gedroht, sollte ihre Compagnie nicht mehr Geld bekommen.

Der neue Ansatz für die Haushaltsjahre 2014 und 2015 lautet: plusminus Null. Allenfalls, so ein enigmatischer Passus am Rande, könnten zusätzliche Mittel ausgerechnet aus der Opernstiftung fließen. Das wird noch für Gesprächsstoff sorgen.

Der Theaterdiscounter scheint gerettet

Verhalten freuen dürfen sich Nico and the Navigators. Die bekommen wohl den erhofften eigenen Titel – allerdings nur in Höhe von 150 000 Euro. Immerhin: zuletzt waren sie von der Jury für die Konzeptförderung überhaupt nicht mehr empfohlen worden. Die Gruppe ist aber ein Solitär des experimentellen Musiktheaters. Ebenfalls eine freudige Nachricht: der Theaterdiscounter scheint gerettet. Die Spielstätte an der Klosterstraße war zwar wegen Geldknappheit aus der Konzeptförderung geflogen, aber als Nachrücker nominiert worden – für den Fall, dass zusätzliche Mittel in den Fördertopf fließen. Was nun in Höhe von 300 000 Euro geschehen soll. Auch die Sophiensäle – die seit Jahr und Tag das Fehlen eines eigenen Produktionsetats beklagen – dürfen sich über eine Viertelmillion Euro mehr pro Jahr freuen. Freilich: der erhoffte große Wurf ist das nicht.

Und woher soll das veranschlagte Geld kommen? Es waltet das Prinzip Verschiebebahnhof. Man nimmt den einen und gibt den anderen. Die Zuschüsse an die Rundfunk-Orchester und -Chöre sollen zum Beispiel um 170 000 Euro pro Jahr gekürzt werden. Auf einen Finanzsegen aus der geplanten City Tax jedenfalls sollte kein Künstler spekulieren. Jüngster Stand hierzu aus dem Hauptausschuss: 25 Millionen Euro der erwarteten Einnahmen (schon optimistisch angesetzt) fließen direkt in den Haushalt. Erst was darüber hinaus eingenommen wird, könnte zu 50 Prozent auch der Kultur zugute kommen. Womit die Freie Szene noch nicht mal gemeint ist.

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