Berlin Art Week : Kunst-Werke: Alles so bunt hier

So sieht sie aus, die Berliner Malereiproduktion: In den Kunst-Werken in der Auguststraße hängen 70 Bilder an einer einzigen Wand, in der Ausstellung "Keilrahmen" als Beitrag zum Gemeinschaftsprojekt "Painting Forever!".

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Blick in die große Ausstellungshalle der Kunst-Werke mit Petersburger Hängung. Foto: Christine Kisorsy
Blick in die große Ausstellungshalle der Kunst-Werke mit Petersburger Hängung.Foto: Christine Kisorsy

Siebzig Tafelbilder an einer Wand, dicht an dicht gehängt – ein Maler, ein Bild. So sieht sie aus, die Berliner Malereiproduktion. Im Rahmen des Gemeinschaftsprojektes „Painting Forever!“ beschäftigen sich die Kunst-Werke mit dem Stand der zeitgenössischen Malerei. Das klingt nach einer Verrenkung, denn das Haus besitzt eine Schlüsselrolle, wenn es darum geht, die jüngsten Entwicklungen in der zeitgenössischen Kunst zu diskutieren, Gattungsgrenzen aufzubrechen. Allein die Petersburger Hängung, für die sich Kuratorin Ellen Blumenstein entschieden hat, ist als bissiger Kommentar zu lesen. Umso überraschender, dass „Keilrahmen“ stattdessen eine wunderbare Sensibilisierung für die Malerei geworden ist, als eine von vielen Optionen, die der Kunst zur Verfügung stehen.

Blumenstein hat den Fokus der Schau auf das Tafelbild gelegt. Sie zeigt Bilder auf Leinwand, Holz oder Stoff, mit Rahmen (manchmal), rechteckig (meistens), abstrakt oder gegenständlich, ironisch oder ernst. Zum Glück hat sie nicht zum wiederholten Mal den Genregrenzen sprengenden Charakter der zeitgenössischen Malerei zum Thema gemacht. Der Großteil des Publikums weiß ohnehin, dass Malerei auch in den Raum hineinkriechen kann oder sich mit anderen Gattungen vermischt. Angesichts der digitalen Möglichkeiten muss ein Künstler weiß Gott nicht malen. Aber er kann. Und da stellt sich die Frage: Warum die Mühe?

Viele Werke entstanden in den letzten fünf Jahren. Durch das dichte Arrangement an der Erdgeschosswand kommentieren sie sich gegenseitig: durch Farben, Motive, Material, durch Formen, die übers Bild hinausspringen und Blickachsen bilden. Steht man als Besucher weit entfernt, glaubt man gar nichts zu erkennen. Worauf soll man sich konzentrieren? Auf einzelne Bilder, das Dazwischen, den Raum als Bild? Dann beruhigt sich das Gehirn und das Auge darf arbeiten. Es meldet, was ihm bekannt vorkommt. Ein Frauenkörper von Dorothy Iannone, ein Interieur von Anton Henning, Abstraktes, Rothko-Referenzen, Schriftbilder von Elke Krystufek und Despina Stokou. Das Schauen wird zur körperlichen Erfahrung, wenn man dicht vor der Wand steht und die Materialien, Farbe, Holz, den Glanz der Fixatur aufnimmt. Die Variationen des Malewitsch-Quadrats werden sichtbar: Willem de Rooijs pudriges Quadrat „Black on Black“ ist aus dickem Polyesterstoff, Vincent Fulsmas schwarzes Rechteck mit etlichen Schichten Verpackungsfolie überzogen, Olaf Holzapfels 3D-Version besteht aus gefärbtem Heu.

Ellen Blumenstein war viele Monate in Berliner Ateliers unterwegs, sie hat eine subjektive Auswahl getroffen. Es hätten andere Bilder sein können, das Ergebnis wäre das gleiche gewesen. Es geht hier nicht um einzelne Gemälde, sondern das Bildersehen an sich, um das Bild auf die Welt. Was sind die „Rahmenbedingungen“ fragt Blumenstein zweideutig im Ausstellungskatalog und kommt auf eine Liste von 20 Punkten, die beim Pigment als kleinste Einheit eines Bildes beginnt und über Rahmen, Raum und Institution schließlich bei den politischen und sozialen Strukturen landet, Faktoren, die bei jeder Bildbetrachtung mitgedacht werden müssen.

Kunst-Werke, Auguststr. 69, bis 10. 11.; Mi bis Mo 12-19 Uhr, Do 12-21 Uhr

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