Kultur : Berlin bekommt vorerst doch keine Kunsthalle

Das von Klaus Wowereit propagierte Projekt einer Kunsthalle wird in dieser Legislaturperiode nicht mehr angepackt. In Abwesenheit des Regierenden Bürgermeisters beschloss die rot-rote Koalition am Montag im Kulturausschuss mit ihrer Stimmenmehrheit, dass erst 2012 darüber abgestimmt werden soll, ob Berlin überhaupt eine derartige Institution zur Präsentation zeitgenössischer Werke braucht.

Die ursprünglich für eine Bauvorbereitungsplanung im Doppelhaushalt 2010/ 11 vorgesehenen Mittel in Höhe von insgesamt 600 000 Euro sollen nun für eine „mobile Kunsthalle“ verwandt werden. Im Gegensatz zur Temporären Kunsthalle auf dem Schlossgelände soll diese „mobile Kunsthalle“ kein eigenes Gebäude erhalten. Gemeint ist vielmehr ein Pilotprojekt, bei dem an unterschiedlichen dezentralen Orten in der Hauptstadt Ausstellungen realisiert werden. Nach Ablauf von zwei Jahren sollen die Erfahrungen von der Politik evaluiert werden, um so zu einem endgültigen Urteil kommen zu können. Uwe Lehmann- Brauns (CDU) sprach von einer „Abwrackprämie“ für Wowereits Vorschlag, die Grünen nannten den Kompromiss „absoluten Blödsinn“.

Im Fall des unterfinanzierten Bauhaus- Archivs konnte sich die Koalition zwar dazu durchringen, den Etat um jährlich 230 000 Euro aufzustocken – die Entscheidungen über einen Erweiterungsbau sowie die Sanierung des bestehenden Gebäudes wurde aber auf die Zeit nach der nächsten Landtagswahl verschoben. Zu einem verbalen Schlagabtausch kam es angesichts der Aufnahme des Schwulen Museums in die institutionelle Förderung: Michael Braun (CDU) kritisierte, es werde „ohne objektive Kriterien“ eine bestimmte Klientel bedient. Staatssekretär André Schmitz (SPD) verteidigte die Entscheidung: Seit 1985 arbeite das Museum auf ehrenamtlicher Basis vorbildhaft.

Das Kammerorchester Ensemble Oriol wird nach dem Willen des Senats seine staatliche Förderung verlieren. Im Gegenzug soll der Landesmusikrat pro Jahr 44 000 Euro mehr erhalten. F. H.

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