Kultur : Berlin Ernst-Reuter-Platz

Dem Hochhaus für Bergbau und Hüttenwesen der Technischen Universität droht der Abriss

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Von Jürgen Tietz

Sie liegt eigentlich mitten in der Stadt und doch ein bisschen abseits: die Technische Universität Berlin. Wer außer den Studenten kennt schon die Gebäude genauer, die sich rund um den Ernst-Reuter-Platz und die Straße des 17. Junis aufreihen? Doch das soll jetzt anders werden. So befasst sich im Rahmen einer Internationalen Summer-School ein Studentenwettbewerb mit den Entwicklungsmöglichkeiten des Campusgeländes. Und bereits vorher zeigten sich erste Veränderungen auf dem Gelände: Die „Löwengrube“, der von der Gartenarchitektin Hertha Hammerbacher gestaltete Tiefgarten vor der von Bernhard Hermkes und Hans Scharoun entworfenen Architekturfakultät, wurde vom Wildwuchs befreit. Darunter kam eine faszinierende Garten- und Architekturlandschaft zum Vorschein, die von den Studenten nun als Aufenthalts- und Lehrort genutzt wird.

Das fügt sich gut zum denkmalpflegerischen Engagement der Architekten und Kunsthistoriker an der Universität. Weniger behutsam scheint die TU allerdings mit dem Hochhaus für Bergbau und Hüttenwesen aus den Jahren 1954/59 umzugehen. Mit seiner blauen Glasfassade bildet der Rasterbau einen markanten Blickfang im architektonischen Gefüge rund um den Ernst-Reuter-Platz. Entworfen hat ihn der einstige TU-Professor Willy Kreuer (1910-1984). Die zehngeschossige Hochhausscheibe, die von niedrigeren Anbauten flankiert wird, modelliert den Übergang von der Hardenbergstraße zum Platz. Sein Vorbildcharakter für spätere Institutsbauten in Deutschland unterstreicht die Bedeutung des Baudenkmals.

Dennoch erwägt die TU, sich von dem Gebäude zu trennen, für das nach gut 40 Jahren Nutzung eine grundlegende Instandsetzung ansteht. Die Angaben über die Sanierungskosten schwanken dabei zwischen 20 und 40 Millionen Euro. Geld, das die TU nicht hat. Zudem ist die Außenfassade des Gebäudes asbestbelastet. Doch das ist bereits seit 1987 bekannt. Zeit zum Handeln wäre also genügend vorhanden gewesen. Der jetzt in Erwägung gezogene Verkauf des Denkmals dürfte jedoch gleichbedeutend mit seinem Abriss sein.

Mit der Sanierung und Erhaltung des Gebäudes könnte die TU ein wichtiges Signal setzen. Stehen die Bauten der fünfziger und sechziger Jahre in Berlin doch unter einem hohen Veränderungsdruck. Das haben der Abriss des Plenarsaals im Reichstag und der Bewag-Verwaltung oder auch der des Ahornblattes in den letzten Jahren bewiesen. Mit der aufwändigen Sanierung des Telefunken-Hochhauses und der Architekturfakultät hat die TU bisher dazu beigetragen, das Erscheinungsbild des Ernst-Reuter-Platzes zu bewahren, der als eines der herausragenden städtebaulichen Ensembles der deutschen Nachkriegsmoderne gilt. Eine Zerstörung des Hochhauses für Bergbau und Hüttenwesen würde einem historisierenden Rückbau des Platzes Tür und Tor öffnen. Schließlich gibt es mit dem Eternit-Haus von Bernhard Hermkes und dem Kiepert-Gebäude von Paul Schwebes noch weitere Pflegefälle in der Umgebung.

Die zuständige Senatsverwaltung für Stadtentwicklung äußert sich derzeit nicht zu den Plänen der TU. Ein Blick auf das Planwerk Innenstadt zeigt jedoch, dass ihr der Abriss des Kreuer-Hochhauses wohl nicht ungelegen käme, sieht es doch an dieser Stelle die Öffnung der Hertzallee zum Ernst-Reuter-Platz vor. So könnte es einmal mehr zu einem Interessenskonflikt zwischen den Anliegen der Denkmalpflege und Neubauplänen kommen, die beide Peter Strieder unterstehen. Und es wäre nicht das erste Mal, dass der Senator die Denkmalpfleger im Regen stehen ließe.

Um diese Entwicklung zu verhindern, hat jetzt die Fakultät Architektur, Gesellschaft, Umwelt an der TU den Kampf für die Erhaltung des Gebäudes aufgenommen. Sie hat dem neuen Universitätspräsidenten Kurt Kutzler angeboten, die hausinterne Kompetenz von Architekten und Denkmalpflegern für die Erhaltung und Sanierung des Hochhauses zu nutzen. Die TU wäre gut beraten, das Angebot anzunehmen. Denn ein wichtiger Bestandteil der Öffnung der Universität zur Stadt muss es sein, die gemeinsamen Wurzeln anzuerkennen.

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