Berlin-Filme : Wie Filmamateure West-Berlin sahen

Im Auftrag des Tagesspiegels entstand eine DVD über West-Berlin zwischen 1968 und 1989

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Urlaub in West-Berlin. Aus Aufnahmen von 34 Filmamateuren wurde die DVD zusammengestellt. Foto: Tsp
Urlaub in West-Berlin. Aus Aufnahmen von 34 Filmamateuren wurde die DVD zusammengestellt.Foto: Tsp

War das nicht etwas leichtsinnig, Mr. President? Stehend in der offenen Limousine durch die Straßen Berlins rollen, vorbei an all den winkenden Berlinern? Auch wenn wir das Jahr 1978 schreiben und Jimmy Carter ziemlich populär ist hierzulande – war das nach Dallas 1963 noch ratsam? Aber selbst Richard Nixon hatte dies neun Jahre zuvor gewagt und sich von möglichen Eierwürfen oder was auch sonst nicht einschüchtern lassen, und ihm waren die Menschen, zumal die Studenten, nun alles andere als gewogen. Aber der Senat hatte damals vorgesorgt, einen Ring aus Polizisten um die Staatskarosse gezogen, in dem sich nur ausgesuchte Jubel-Berliner aufhalten durften. Selbst Transparente, die die unverbrüchliche Freundschaft mit den USA und Ähnliches priesen, waren in amtlichem Auftrag angefertigt worden.

Zwei kleine Episoden nur aus der DVD „West-Berlin 1968–1989. Zwischen Revolution und Mauerfall“, die der Historiker und Dokumentarfilmer Joachim Castian für den Tagesspiegel aus den Super-8- und Video-Aufnahmen von 34 Amateurfilmern erstellt hat. Meist waren sie die Ausbeute von Kurzurlauben in der geteilten Stadt, und mag die technische Qualität auch nicht immer an den gewohnten Fernsehstandard heranreichen, so wird dies doch durch die Spontaneität und Authentizität der eingefangenen Bilder wettgemacht. Aus vielen Augenblicksaufnahmen zusammengeschnitten, entsteht so ein buntes Bild der Jahre von der Studentenrevolte bis zum Mauerfall, meist aus dem Westen der Stadt, mit Checkpoint Charlie und an der Mauer spielenden Kindern, Rolf Edens Go-go-Girls oder auch den Kriegsruinen, die es gerade in Kreuzberg noch lange gab. Die Ergebnisse der Kahlschlagsanierung werden gezeigt, die in Ost wie West durchaus ähnliche Betonwüsten nach sich zog. Und wer schon immer gerne noch mal sehen wollte, wie jugendfrisch Marika Rökk noch als Mittfünfzigerin in „Hello Dolly“ im Theater des Westens die Beine schwang – hier ist er richtig.


West-Berlin 1968– 1989. Zwischen Revolution und Mauerfall. Ein Film von Joachim Castian. DVD, 52 Minuten. Erhältlich im Tagesspiegel-Shop für 16,95 Euro.

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