Kultur : Berlin im Blick

Zum Tod des Kameramanns Martin Kukula.

Alfred Holighaus
Auf Augenhöhe. Martin Kukula beim Dreh von Wolfgang Beckers „Das Leben ist eine Baustelle“, 1996. Foto: Christian Schulz
Auf Augenhöhe. Martin Kukula beim Dreh von Wolfgang Beckers „Das Leben ist eine Baustelle“, 1996. Foto: Christian Schulz

Als Martin Kukula vor über 30 Jahren aus dem Südwesten der alten Bundesrepublik nach Berlin kam, studierte er zunächst an der Akademie der Künste, um die Stadt alsbald durch seine Okulare in den Blick zu nehmen. Als Kameramann erzählte und erforschte er Berlin in Bildern wie kaum ein anderer, versuchte die Stadt verständlich zu machen, West-Berlin genauso wie das wiedervereinigte Berlin nach der Wende. Vor allem mit Wolfgang Becker hat er immer wieder zusammengearbeitet, war Kameramann bei dessen Regiedebüt „Schmetterlinge“ (1987), bei dessen klugen Erkundungen der Berliner Seele nach der Wende im Tatort „Blutwurstwalzer“ (1991) und dem vielleicht wichtigsten Berlin-Film der neunziger Jahre, „Das Leben ist eine Baustelle“. Immer wieder haben Kukulas Augen die Stadt in Bilder gefasst, nicht aufgeregt, nicht manieriert, sondern neugierig, aufmerksam, menschenfreundlich, poetisch und realistisch zugleich, wie in Beckers satirischem Wende-Märchen „Good Bye, Lenin!“.

Martin Kukula, der in den frühen Achtzigern auch als Darsteller in den für diese Zeit typischen Szenefilmen wie „Wilde Clique“ auftrat, gehörte zu den aktivsten Kinematografen des deutschen Films und Fernsehens. Alleine mit Urs Egger realisierte er 16 Produktionen, darunter moderne TV-Klassiker wie „An die Grenze“ oder „Die Rückkehr des Tanzlehrers“.

Am 1. November ist er nun nach schwerer Krankheit gestorben, er wurde nur 55 Jahre alt. Vielleicht schwebt er jetzt ja über der Stadt und schaut hinunter. Ein Blick, der ihm vertraut ist, hat er bei Wenders’ „Himmel über Berlin“ doch Henri Alekan assistiert, dem Großmeister der Kamera. Bei seiner irdischen Arbeit bewegte sich Martin Kukula am liebsten auf Augenhöhe. Alfred Holighaus

Der Autor ist Geschäftsführer der Deutschen Filmakademie. Die Trauerfeier für Martin Kukula findet am Sonnabend, den 30. November, um 11 Uhr auf dem Alten St. Matthäus Kirchhof in Schöneberg statt.

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