Berlin : Intendant Mussbach verlässt die Staatsoper

Nach langen Querelen ist es klar: Peter Mussbach muss das Feld vor seiner Zeit räumen. Er verlässt die Deutsche Staatsoper Unter den Linden.

Marion Schierz[ddp]
Mussbach
Peter Mussbach. -Foto: dpa

Berlin Intendant Peter Mussbach verlässt vorzeitig die Deutsche Staatsoper Unter den Linden. Der Rat der Stiftung Oper in Berlin und Mussbach haben am Donnerstag "übereinstimmend verabredet, den Intendanten von sämtlichen Pflichten aus seinem Vertrag mit der Stiftung zu entbinden und ihn ab sofort "unwiderruflich freizustellen", wie die Senatskulturverwaltung am Donnerstag mitteilte. "Beide Seiten sehen sich zu diesem Schritt veranlasst, da sie kein Einvernehmen über die zukünftige Ausrichtung des Gesamtbetriebes und die künstlerische Programmatik erzielen konnten."

Der Generaldirektor der Opernstiftung, Stefan Rosinski, interpretiert das vorzeitige Ausscheiden Mussbachs "als Symptom einer möglichen Strukturentscheidung für die Zukunft der Staatsoper". Die Opposition kritisiert den Senat für sein Unvermögen bei der Konfliktsteuerung. Am Freitag hat die Staatsoper zur Jahrespressekonferenz eingeladen, auf der das Programm für die kommende Spielzeit vorgestellt wird.

Mussbachs Rücktritt wird schon länger gefordert

Erst kürzlich hatten leitende Mitarbeiter der Staatsoper den Rücktritt Mussbachs gefordert. Zudem gab es Unstimmigkeiten über den immer noch nicht verabschiedeten Wirtschaftsplan zwischen Mussbach und Generalmusikdirektor Daniel Barenboim. Ursprünglich sollte Mussbach die Oper erst 2010 verlassen.

Mussbach stehe mit seinen ästhetischen Provokationen und Grenzüberschreitungen für ein "lebendiges Zeitgenossentum", betonte Rosinski. Es sei zu hoffen, dass Mussbachs Absicht, "die Staatsoper zukunftsfähig" zu machen, durch seinen Rückzug keinen Schaden nehmen wird.

"Ein Sieg für Barenboim"

Für die Grünen im Abgeordnetenhaus ist der Weggang Mussbachs "ein Sieg für Barenboim". Doch dieser sei "kein Intendant und kann diese Funktion auch nicht ausfüllen", betonte die kulturpolitische Sprecherin Alice Ströver. Barenboim sei viel zu selten in Berlin. Das eigentliche Problem liege aber im Senat selbst, kritisierte Ströver. Es habe keine "erfolgreiche Konfliktsteuerung im Streit um die Vergabe der Mittel und vor allem keine Vorsorge für die Nachbesetzung der Stellen des Intendanten und des geschäftsführenden Direktors" der Staatsoper gegeben. Es zeige sich, "dass im Senat ein für Kultur zuständiger Senator fehlt".

Der Vize-Vorsitzende der CDU-Fraktion, Michael Braun, nannte es "dramatisch, dass deutschlandweit seit Monaten mehr über die internen Querelen als über die künstlerischen Aufführungen an der Staatsoper gesprochen" werde. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hätte als Stiftungsratsvorsitzender "viel schneller auf die Krise reagieren müssen", betonte Braun. Nun stehe er vor "dem Scherbenhaufen, den er selbst maßgeblich mitverursacht hat". Denn es liege am Unvermögen insbesondere Wowereits, "im Konflikt über die zukünftige Ausrichtung und das künstlerische Profil des Hauses einen Ausgleich herbeizuführen".

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