Kultur : „Berlin ist nur oberflächlich interessant“

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Den Nachnamen habe ich von meinem ExMann. Ich habe zehn Jahre auf Zypern gelebt, bevor ich nach Deutschland kam. Überall fühle ich mich als Palästinenserin. Mein Vater wanderte von Hebron nach Jordanien aus und arbeitete dann in Kuwait. Dort bin ich geboren. Ich habe nicht soviel gelitten wie die Palästinenser in den Flüchtlingslagern. Auch das verpflichtet, für höhere Ziele zu leben, für ein freies Palästina. Ich kann es mir nicht leisten, unangepasst zu sein. Es ist kaum Platz für Individualität. Nach Deutschland zu kommen war ein Schock. Du machst nichts umsonst in diesem Land, nicht mal reden. Vor kurzem habe ich an der Volkshochschule einen Zeichenkurs belegt. Nicht mal nach meinem Namen haben sie gefragt. Ich finde das nicht normal. Meine beste Freundin hier ist Türkin. Deutsche Freunde habe ich praktisch nicht. Berlin ist wirklich nur auf den ersten Blick interessant, unter der Oberfläche ist es aber anonym und unglaublich langweilig. Vielleicht gehe ich bald wieder nach Zypern. Dort gibt es viel mehr Herzlichkeit.

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