Kultur : Berlin ohne Meier

ULF MEYER

Elegante, disziplinierte geometrische Baukörper und weiße Flächen aus Putz oder Emaille sind das Markenzeichen des New Yorker Architekten Richard Meier.Er gehört zu den wenigen amerikanischen Architekten, deren Werk in Europa eine größere Wertschätzung genießt als daheim, obwohl sein Stil europäische Wurzeln hat.In seinem Vortrag anläßlich der Berliner Lektionen stellte er im ausverkauften Renaissancetheater seine wichtigsten Werke der letzten Jahre vor.

Dem Kanon der Moderne ist Meier beim Stadthaus in Ulm ebenso treu geblieben wie bei seinen Entwürfen in Paris, Den Haag und Rom.Obwohl er eine ganze Handvoll Gebäude in Süddeutschland verwirklichen konnte, bleibt ausgerechnet das architekturimportfreudige Berlin bis auf weiteres ohne einen echten Meier - da ergeht es ihm anders als John Hejduk und Peter Eisenman, mit denen er in den frühen 70er Jahren zu den "New York Five" gezählt wurde; beide haben im Rahmen der Internationalen Bauausstellung ihre Spuren in Kreuzberg hinterlassen.In den Jahren vor seiner Bürogründung in New York 1963 hatte Meier bei Marcel Breuer gearbeitet und dort wichtige Inspirationen für sein späteres Werk bekommen.Damals war er mit dem Anspruch angetreten, der herrschenden Vulgärmoderne die Qualitäten des International Style gegenüberzustellen.Vielleicht liegt es vor allem an der schlechten Auftragslage in der Stadt, daß Meier bei seinem Vortrag keinen einzigen Gedanken über Berlin verriet.Er betonte vielmehr, wie wichtig die Architektur der Verkehrsinfrastrukturen in einem zusammenwachsenden Europa sei.Seine Vorstellungen von der res publica und der Erhabenheit öffentlicher Gebäude äußern sich nur in Details.Beim Museum für zeitgenösssiche Kunst in Barcelona etwa wählte er bewußt gemeinsam mit dem Bürgermeister einen Standort mitten in einem heruntergekommenen Altstadtquartier.Beim Stadthaus in Den Haag drängte er beispielweise darauf, daß auch der Ratssaal in dem zentralen Bürgerhaus untergebracht wird.

Meier kann sich die weitgehende Konzentration auf so dankbare Bauaufgaben wie öffentliche Gebäude erlauben.Die Reihe seiner spektakulären Museumsentwürfe, die von Frankfurt bis Atlanta führt, fand im Getty Center in den Bergen über Los Angeles vergangenes Jahr ihren absoluten Höhepunkt.

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