Kultur : Berlin sucht den Supersänger

OPERNGALA

Frederik Hanssen

Alle Achtung! Sechs junge Opernsolisten organisieren sich ihr eigenes Vorsingen im Berliner Schiller-Theater mit einem Profiorchester (aus Frankfurt/Oder). Die Ausbeute war theater-realistisch: Richtig bühnenreif ist nur ein Kandidat. Nikolay Borchev verrät mit jeder Bewegung, wie wild er darauf ist, sich ein Kostüm überzuziehen. Charme, Selbstsicherheit, Agilität – der Bariton hat alles, was ein Buffo braucht. Ausbaufähig das Potenzial der Tenöre: Stefan Glunz ist als Tamino sehr nervös, punktet aber später mit lyrischer Emphase. Jewgenij Taruntsovs helle, heldische Stimme sitzt passgenau, darstellerisch erinnert er jedoch fatal an eine Schaufensterpuppe. Und die Damen? Kismara Pessatti hat Charakter und eine komfortable Mezzotiefe, oben aber wird’s eng. Dass Yvonne Motzkus glaubte, die allerkniffligsten Verdi-Klopper servieren zu müssen, zeugt von Selbstüberschätzung. Auch Johanna Krumins Sopran verlangt nicht gerade nach der „Fidelio“-Leonore, mit sicherer Technik und Durchschlagskraft bewältigte sie die Arie aber beachtenswert. Die Schauspielerin Dafne-Maria Fiedler schließlich darf sich nach ihrer zopfigen Moderation Hoffnung auf einen Job als Carolin-Reiber-Double machen.

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