Berlinale : Aug’ in Aug’ mit den Stars

Promi-Fotograf Henry H. Herrmann ist der Gentleman am roten Teppich. Er darf zu allen Partys gehen - seine Kinder beneiden ihn um dieses Privileg.

 Eva Kalwa
Herrmann Foto: Thilo Rückeis
Berlinale-Einsatz. Henry Herrmann - vor ihm Armin Rhode. -Foto: Thilo Rückeis

„Leonardo, look here!“, „Penélope, one more smile!“, „Renée - please!“ Ohrenbetäubend laut sind die Schreie der Fotografen, die sich hinter den Absperrungen drängen. Doch das gehört genauso zu einer Filmpremiere wie die Stars und der rote Teppich selbst.

In der ersten Reihe, im Pulk seiner Kollegen, steht am Berlinale-Palast der Berliner Eventfotograf Henry H. Herrmann. Er wirkt entspannter als viele seiner Kollegen und lächelt sogar manchmal, denn Herrmann gilt als Gentleman unter den Promi-Fotografen: Sabine Christiansen schätzt an ihm, dass er sie nie mit Zigarette fotografiert. Und so mancher Prominente auf einer ausgelassenen Party hat sich laut Herrmann schon darüber gefreut, dass er die Kamera diskret zur Seite gedreht hat, wenn die Person im Arm gerade nicht mit dem offiziellen Lebenspartner identisch war. Weil Herrmann, der ursprünglich aus der Nähe von Dresden stammt und 1983 in Berlin seinen Fotografen-Meister gemacht hat, außerdem viele gute Fotos macht, hat er sich bei der diesjährigen Berlinale am roten Teppich erstmals einen Platz in der ersten Reihe sichern können, den eigentlich nur die internationalen Fotografen erhalten.

„Wie viel mir das bei dieser Berlinale nützt, werde ich allerdings noch sehen“, sagt der 58-Jährige. Der Gründer der Agentur Eventpress weiß: Wenn es so kalt ist wie zurzeit, ziehen viele Stars den Mantel auf dem roten Teppich gar nicht aus. „Sie wollen dann verständlicherweise nur schnell ins Kino.“ Da hatte Herrmann am Donnerstagabend bei der Eröffnungsgala mit dem Jury-Mitglied Renée Zellweger Glück: Trotz der Minustemperaturen bewies die 40-Jährige in ihrem recht dünnen, türkisfarbenen Kleid viel Ausdauer.

Etliche andere Stars wie der Regisseur und die Hauptdarstellerinnen des chinesischen Eröffnungsfilms „Tuan Yuan“ hingegen weniger. So können die Fotografen nicht immer das liefern, was sich ihre Kunden, die Zeitungen - und mit ihnen deren Leser - vom roten Teppich der Berlinale wünschen: Fotos von schönen Frauen, deren raffinierte Abendkleider Schultern und Rücken frei lassen oder einen Blick auf ein verführerisches Dekolleté gewähren.

Und Männer in schicken Anzügen, die die Fotografen mit kleinen Albernheiten erfreuen. „Das ist für uns sehr wichtig, dass ein Star aus sich herausgeht, ein paar Scherze macht“, sagt Herrmann. Er würde oft auch das Gegenteil erleben, so wie mit Til Schweiger oder Diane Kruger. Denn bei einem Gesicht wie sieben Tage Regenwetter oder einer stocksteifen Haltung würde einem Fotografen auch die beste Position nichts nützen.

Damit es doch noch zu den premierentypischen Fotos kommt, hat Herrmann zusätzlich einen Mitarbeiter im Berlinale-Palast positioniert. Denn im warmen Foyer findet vor dem Film noch ein zweites kurzes Fotoshooting, ohne Mäntel, statt. „Allerdings herrscht dort nicht die glanzvolle Atmosphäre wie draußen im Blitzlichtgewitter und mit den hunderten aufgeregten Fans“, sagt Herrmann, der erst für große Boulevardblätter arbeitete, später als selbständiger Fotograf auf solchen Veranstaltungen fotografierte. Wie schön wäre ein beheizter roter Teppich! Besonders auf der stets im Februar stattfindenden Berlinale, zu der manche Schauspieler und Regisseure aus Übersee aufgrund der kalten Jahreszeit gar nicht erst anreisen würden, wie Herrmann meint. Er hofft deshalb auf die späteren Abendstunden, wenn die Premierenpartys steigen und die Stars - so wie gestern bei der Eröffnungsparty im Café Moskau an der Karl-Marx-Allee mit 2400 Gästen - aufgewärmt und entspannt die besseren Fotomotive abgeben.

Anders als zur Filmvorführung haben Herrmann und seine akkreditierten Kollegen zu den Premierenpartys Zugang. Ein Privileg, um das den Familienvater aus Weißensee seine vier erwachsenen Kinder schon oft beneidet haben und das er sich in den siebziger Jahren, als er in der DDR mit Freunden ein Amateurfilmstudio gründete, auch nicht erträumt hätte. Dabei bedeutet selbst die tollste Party für ihn vor allem eins: Arbeit. Denn Premierenpartys dauern meist sehr lang, und in den nächsten zehn Tagen finden in jeder Nacht welche statt.

Deshalb habe er ein Berlinale-Ritual besonders lieb gewonnen „Danach geht es immer erst mal in den Urlaub. In den Harz, wo keine Promis sind.“

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