Berlinale-Ausstellung : Mit Gina Lollobrigida in der Limousine

Mehr als eine Million Mal hat die Fotografin Erika Rabau die Hollywood-Größen auf und neben dem Roten Teppich abgelichtet. Eine Ausstellung zeigt parallel zum Festival Star-Porträts aus 45 Jahren Berlinale.

Ariane Breyer[ddp]
Erika Rabau
Erika Rabau (r.) mit Gina Lollobrigida. -Foto: promo

BerlinAmüsiert lehnt Martin Scorsese in der dritten Etage über der Brüstung. Er scheint einen Witz zu erzählen, Daumen und Zeigefinger der rechten Hand berühren sich, als halte er die Pointe schon am Zipfel. Dies ist kein gewöhnliches Star-Porträt, hier steht etwas Vertrautes zwischen dem Betrachter und einem der größten Regisseure aller Zeiten. So einen Moment schenkt man nicht jedem Fotografen. Erika Rabau hat ihn bekommen, von allen. "Ich mache keine Starfotos, sondern Action-Fotos, immer im richtigen Moment", sagt Rabau am Freitag vor der Eröffnung einer Ausstellung über ihr Schaffen.

300 Bilder zeigt die Ausstellung "Erika Rabau - Eine Berlinerin mit ihrer Kamera. Bilder der Berliner Filmfestspiele 1963-1985", die in allen Etagen der lichtdurchfluteten Eingangshalle des Berliner Museums für Kommunikation hängen. Das ist nur ein geringer Teil ihres Archivs, das über eine Million Negative umfasst - von Claudia Cardinale, Robert de Niro, Wim Wenders, Klaus Kinski, Roberto Benigni, Jack Nicholson - von nahezu jedem, der sich schon einmal auf der Berlinale blicken ließ.

Mit Orson Welles auf Tour

Erika Rabau geht zwischen den meterhohen Bildern umher und erzählt Anekdoten der Porträtierten wie die alter Schulfreunde. Die blass-zarte, fragile junge Frau im zweiten Stock ist Geraldine Chaplin, das war vielleicht Ende der 60er Jahre. Mit ihr sei sie damals "um die Häuser gezogen", die ganze Nacht lang, irgendwo auf dem Weg haben sie noch Orson Welles aufgegabelt. Erika, die sich von jedem duzen lässt, kichert wie ein Mädchen. Es muss ihre unverstellte und warmherzige Direktheit sein, die ihr von Anfang an die Tür in die Welt der Hollywood-Granden geöffnet hat.

"Früher konnte man so nah an die Schauspieler herankommen, das kann man sich heute überhaupt nicht mehr vorstellen." Damals ging sie mit Paola Picasso an freien Tagen shoppen - "durch die Läden ziehen", nennt sie das. Einmal saß sie mit Gina Lollobrigida auf dem Rücksitz einer Limousine, sie fuhren zu einer Filmvorführung. Kurz bevor sie ankamen, war da diese Menge, die schon bereitstand, um den Star zu feiern. "Der Platz war schwarz vor Menschen, sie klebten überall am Auto, als ob sie uns erdrücken wollten." Erika war so nah dran an den Protagonisten des Showbiz, dass sie sogar ihre Angst geteilt hat.

Start als Dolmetscherin

Geholfen habe ihr ihr Sprachtalent, sagt Erika Rabau. So konnte sie immer mit allen reden. Spanisch spricht sie wie ihre Muttersprache, außerdem Englisch, Französisch, Italienisch, Portugiesisch. Über diesen Umweg kam sie damals auch zur Berlinale: als Dolmetscherin, die sich um die spanischsprachige Delegation kümmern sollte. Ihre Kamera durfte sie immer mitnehmen. Damals hatte sie bereits zehn Jahre lang in Argentinien gelebt, wo sie auch ihre Fotografenausbildung absolvierte. 17 Jahre war sie alt, als sie Deutschland verließ. Und nun muss ein jeder selbst zurückrechnen, wie alt die kleine Frau heute ist, denn sagen wird sie es niemandem.

Ist auch nicht wichtig, bezeichnender als ihr Alter ist ohnehin ihre jugendliche Versponnenheit. Um ihren Hals hängen unzählige Kettchen, eines mit einem "Erika"-Silberanhänger, wie man ihn in Souvenirläden kaufen kann. Während sie sich von Bild zu Bild bewegt, zieht sie ihre Handtasche auf dem Boden hinter sich her wie einen Hund.

Im Zauberwald der Berlinale

"Puck von Berlin" habe die Berliner Schauspielerin Blandine Ebinger sie einmal genannt, weil sie immer, überall und plötzlich auftauchte im glitzernden Zauberwald der Berlinale. "Erika Rabau - Der Puck von Berlin" lautet nun der Titel des Dokumentarfilms, den Samson Vicent, der auch die Ausstellung im Museum für Kommunikation kuratierte, in den beiden vergangenen Jahren gedreht hat. Am 10. Februar wird der Film in der Sektion Panorama der Berlinale gezeigt. Im Museum für Kommunikation ist er am 20. Februar zu sehen.

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