Berlinale : Der Bär naht

Viele Stars und wenige, späte Bären- Favoriten. Das ist die Bilanz der 57. Internationalen Filmfestspiele, die am Samstag mit der Verleihung des Goldenen Bären zu Ende gehen.

Berlin - Einen Tag vor der großen Entscheidung konnte das Festivalpublikum am Freitag endlich seinen dritten Bären-Kandidaten küren. Der tschechische Regisseur Jiri Menzel, der vor 17 Jahren bereits mit "Lerchen am Faden" den Goldenen Bären gewann, riss die Zuschauer noch einmal aus ihrer Festivalmüdigkeit. Mit "Ich habe den englischen König bedient" zeigte er eine kongeniale Verfilmung des tragikomischen Schelmen-Romans des tschechischen Schriftstellers Bohumil Hrabal (1914-1997).

Die britische Sängerin Faithfull zählt nach dieser Leistung zu den Anwärterinnen auf einen Darstellerpreis, ebenso wie die Französin Marion Cotillard für ihre fulminante Edith Piaf in Olivier Dahans "La Vie en Rose". In der Gunst von Publikum und Kritik liegt außerdem Robert De Niros CIA-Thriller "Der gute Hirte" mit Matt Damon in der Hauptrolle ganz vorn. Über die drei Favoriten hinaus hat vielleicht noch Cao Hamburgers Film "Das Jahr als meine Eltern im Urlaub waren" über die brasilianische Militärdiktatur aus der Sicht eines kleinen Jungen Chancen.

Yella: Kalt und schmerzvoll

Die Deutschen, dieses Mal nur mit zwei Beiträgen vertreten, machten eine recht gute Figur im Wettbewerb. Viel Zustimmung gab es für Ruzowitzkys "Die Fälscher" über eine von den Nazis im KZ Sachsenhausen eingerichtete Fälscherwerkstatt. Christian Petzolds "Yella" mit Nina Hoss und Devid Striesow kam vor allem bei der einheimischen Kritik gut an, viele ausländische Zuschauer konnten sich dagegen nicht in die kalt und schmerzvoll komponierten Seelenlandschaften einfühlen.

Bereits jetzt steht fest: So viele Hollywoodgrößen wie dieses Mal hat die Berlinale seit Jahren nicht mehr auf dem roten Teppich gesehen. Jennifer Lopez, Sharon Stone, Lauren Bacall, Antonio Banderas, Cate Blanchett, Robert De Niro, Matt Damon und Joseph Fiennes sorgten für Glanz. Mittlerweile scheinen sich die Stars schon fast zu Hause in Berlin zu fühlen. Auf der erneut prächtig inszenierten Benefizgala "Cinema for Peace" traten Größen wie Richard Gere oder Catherine Deneuve mit einer Selbstverständlichkeit auf, als sei die deutsche Hauptstadt ein zweites Wohnzimmer für sie. Und der ebenfalls angereiste Clint Eastwood wäre mit "Letters From Iwo Jima" sicher ein heißer Bären-Kandidat, wenn sein Kriegsdrama nicht außer Konkurrenz liefe. (Von Elke Vogel, dpa)

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