Berlinale-Forum : Für einen Dollar Preisgeld

"Victoire Terminus" zeigt die stolzen Boxerinnen von Kinshasa.

Bodo Mrozek
Victoire Terminus Foto: Promo
Szene aus "Victoire Terminus". -Foto: Promo

„Wir wissen nicht, ob links oder rechts gewählt wird. Also stellen wir uns mit beiden Seiten gut.“ Der Mann ist kein politischer Mensch. Er ist Boxtrainer und trainiert das Frauen-Nationalteam. Aber in einem Land wie dem Kongo geht nichts ohne Politik. „Victoire Terminus“, die zweite gemeinsame Regiearbeit der Fotografen Florent de la Tullay und Renaud Barret, ist denn auch mehr als ein neuer Film über das Frauenboxen. Es ist eine beeindruckende Momentaufnahme aus dem Innersten Afrikas.

Keinen Sport verbindet man mehr mit dem Kongo als das Boxen. Muhammad Ali triumphierte hier 1974 beim „Rumble in the Jungle“ über den Schwergewichtsmeister George Foreman. Damals hieß der Kongo noch Zaire, aber das Stadion ist immer noch dasselbe. Diktator Mobutu ließ hier einst Massenhinrichtungen vollstrecken.

Heute trainiert ein halbes Dutzend junger Frauen in dem Rund. Um seine Boxerinnen zu ernähren, nimmt der Trainer den Markthändlern Mehl und Früchte ab. Alis Geist sei in ihn gefahren, als er ihn damals kämpfen sah, sagt der Teamtrainer heute. Eine junge Frau erzählt, warum sie sich für den Sport entschieden hat: Seit dem Tod ihrer Mutter kann sie ihr Studium nicht mehr bezahlen. Sie wolle aber „nicht wie die anderen Frauen rumhuren“. Und außerdem lässt sich das Boxen auch gegen die Männer einsetzen. „Die Frauen vom Kongo sind selbst Ehemänner geworden“, sagt eine von ihnen – und muss mit blitzenden Zähnen über die eigene Formulierung lachen. Die Kamera ist immer dabei, beim Training, in der Pause und auch, als sie sich später mit den Fäusten gegen den eigenen Boxpromoter wehrt. „Er dachte, ich müsse mit ihm ins Bett gehen. Ich schlafe aber nicht mit alten Männern.“

Während die Frauen sich auf den Kampf vorbereiten, tobt im Stadion der Wahlkampf zwischen den Kandidaten Bemba und Kabila. Die Massen singen scheinbar fröhliche Lieder. Die Untertitel übersetzen den Text: „Schlagt alle Fremden tot!“ Nachts hört man Schüsse und die Motoren der weißen UN-Panzer, am Morgen liegen Tote auf der Straße. „Warum soll ich wählen gehen? Ein Verbrecher ersetzt den anderen“, sagt eine Sportlerin und schnürt sich die selbst genähten Boxhandschuhe zu.

Die Wahl gewinnt der Kandidat Kabila. Im Boxturnier siegt Martini, eine junge Mutter. Sie erhält ein Preisgeld von umgerechnet einem Dollar. Das reicht nicht mal für das Aspirin für ihr krankes Kind. Bodo Mrozek

Heute 15 Uhr (Cinestar 8), 11. 2., 22.45 Uhr (Arsenal), 12. 2, 19.15 Uhr (Delphi), 13. 2., 12.45 Uhr (Cubix 7)

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