Berlinale-Gewinner : Welche Filme haben die besten Chancen?

18.02.2012 12:09 UhrVon Jan Schulz-Ojala
Noch nicht ganz fertig. Berlinale-Bären in verschiedenen Fertigungsstufen. Am Samstagabend werden die Auszeichnungen verliehen. Foto: dpa
Noch nicht ganz fertig. Berlinale-Bären in verschiedenen Fertigungsstufen. Am Samstagabend werden die Auszeichnungen verliehen. - Foto: dpa

Wer hat die besten Chancen die begehrten Bären zu gewinnen? Ein Themenwerk, ein Kompromisskandidat oder doch ein Film aus Deutschland? Wir stellen ihnen die aussichtsreichsten Kandidaten vor.

Die eine Sorte Film ist künstlerisch hochinteressant, lässt aber jedwedes politsoziohistorio- und überhaupt globobedeutende Thema vermissen. Die andere trägt Letzteres wie eine jedwede Kritik abweisende Monstranz vor sich her, hat dagegen in artistischen Angelegenheiten wenig zu melden. Der Goldene Bär jenes Festivals, das sich zwar nicht stets mit cineastischer, wohl aber politischer Relevanz schmückt, sollte – zumindest in einem seiner besseren Jahrgänge – beide Qualitäten in sich vereinen.

Zwischen hübschen Pretiosen (etwa „Tabu“ und „Postcards from the Zoo“) und donnernden Themenwerken (etwa „Captive“ und „White Deer Plain“) hat unter den 18 Konkurrenten eigentlich nur einer das Zeug zum entsprechenden Kompromisskandidaten: Bence Fliegaufs vielgerühmter „Just the Wind“ ist filmisch so überzeugend wie thematisch stark.

Nachteil: Die lakonisch inszenierte Roma-Tragödie passt fast zu perfekt zum Berlinale-Profil, um dann wirklich zu gewinnen. Schließlich wollen profilierte Jurys, die aktuelle zumal, nicht bloß den Ball ins leere Tor kullern lassen.

Ein Edel-Bär für einen der drei bemerkenswerten deutschen Filme? Auch der Heimspiel-Jubel vom Kino-Oberring könnte der Jury schon vorneweg zu billig sein. Da wäre stattdessen mancher Schauspielerpreis so genehm wie bequem. Nur was, wenn Birgit Minichmayr (2009 für „Alle Anderen“), Nina Hoss (2007 für „Yella“) und Jürgen Vogel (2006 für „Der freie Wille“) alle schon mal dran waren? Also könnte sich ein Ensemblepreis etwa für „Was bleibt“ empfehlen, wenn man nicht lieber die Spielerschar des einzigen lupenreinen Amerikaners im Wettbewerb, „Jayne Mansfield’s Car“, im fröhlichen Halbdutzend ehren will. Andererseits stemmt Knarzbrocken Robert Duvall zur Not sein Silberbärchen auch allein. Oder wie wär’s mit den Shakespeare-Mimen im Knastfilm der Brüder Taviani? Schwierig, da sie, man gestatte den Scherz, zur Preisverleihung wohl kaum anreisen dürften.

Starke Schauspiel-Einzelleistungen waren rar dieses Jahr. Eher verkörperten viele Akteure einen Typus, wobei die Regisseure ihnen jeweils nur knappen Gestaltungsspielraum ließen. Das gilt für Agathe Bonitzer und Reda Kateb in Frédéric Videaus schöner Studie „A moi seule“ wie für Léa Seydoux und den sehr jungen Kacey Mottet in Ursula Meiers „L’enfant d’en haut“. Kleine, feine Filme sind das, die ihre präzis konturierten Beziehungsgeschichten dynamisch und unpathetisch ins Ziel bringen. Und vielleicht auch, von Außenseiterplätzen, geradewegs ins Herz der von Mike Leigh angeführten Jury hinein.

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