Berlinale : Goldener Ehrenbär für Meryl Streep

Ehre, wem Ehre gebührt: Oscarpreisträgerin Meryl Streep bekommt am Dienstag den Ehrenbären für ihr Lebenswerk verliehen. Doch damit nicht genug: Die Berlinale widmet ihr außerdem eine Hommage mit sechs Filmen.

Daniela Sannwald
Streep eignete sich für den Film einen englischen Akzent an. Kinostart: 1. März.
Streep eignete sich für den Film einen englischen Akzent an. Kinostart: 1. März.Foto: dpa

Diese Lady ist tatsächlich aus Eisen: das Rückgrat kerzengerade, die Schultern gestrafft, die gesamte Physis starr und staksig, die Gesichtszüge eingefroren – so verkörpert Meryl Streep die frühere britische Premierministerin. Dabei wäre „entkörpern“ der passendere Begriff, um ihre „Iron Lady“ zu beschreiben. Wie immer arbeitet Streep mit einer Perfektion, die bis in die sprachlichen Nuancen reicht: Ihr britisches Englisch, ihr schneidender Tonfall sind auf die Haltung abgestimmt. In einer der erstaunlichsten Szenen dieses nicht immer überzeugenden Films bekommt Margaret Thatcher Sprachunterricht. Die junge Frau aus kleinbürgerlichen Verhältnissen neigt zum Quieken und Schnellsprechen; beides ist nicht politiktauglich. Streep führt vor, wie der Zwang zur permanenten Verstellung der Kaufmannstochter jede Authentizität nimmt, und schafft es, Mitgefühl für Thatcher zu wecken.

Wie sie einfach alles geschafft hat in ihrer bruchlosen 35-jährigen Karriere. Ja man denkt, dass sie mit zunehmendem Alter immer bessere Rollen spielt, sich immer weniger festlegen lässt. Und wenn sie mit Lily Tomlin als Country-Schwesternduo in Robert Altmans letztem Film „A Prairie Home Companion“ (2006) auftritt oder als vergnügungssüchtige Ex-Hippie-Brautmutter im Abba-Musical „Mamma Mia“ (2008), dann staunt man, dass sie auch noch singen kann.

Meryl Streep, die bei der „Iron Lady“- Vorstellung am heutigen Dienstag mit dem Goldenen Ehrenbären für ihr Lebenswerk ausgezeichnet wird, ist wandlungsfähig, ohne dass sie ihrem Körper allzu drastische Veränderungen zumutet. Maske und Kostüm reichen aus, um ihre Darstellung zu unterstreichen. Ihr Gesicht zeigt keinerlei Spuren chirurgischer Eingriffe. Sie scheint natürlich zu altern, aber nicht sehr, lediglich ein paar kleine Fältchen um Mund und Kinn verraten, dass sie nicht mehr jung ist. Sie kann sich das leisten, weil ihr das besser steht als vielen ihrer Kolleginnen die künstlich gestraffte Haut.

In einem ihrer schönsten Filme, „Die Brücken am Fluss“ (1995), der in der Hommage zu sehen ist, bringt Streep unter Clint Eastwoods Regie all das auf den Punkt, was ihren Ruhm erzeugt, erhalten und gerechtfertigt hat: Als Italienerin Francesca ist sie immer noch ein bisschen Kriegsbraut, Trophäe eines heimkehrenden Siegers, auch zwei Dekaden nach Kriegsende. Der Not in einem geschlagenen Land ist sie entkommen und sie weiß, was sie ihrem Mann dafür schuldig ist. Sie hat in 20 Jahren oft darüber nachgedacht, ob sie richtig hier ist, auf der einsamen Farm in Iowa. Und wenn sie heimlich daran zweifelte, dann kamen auch die anderen Zweifel: Was, wenn sie gar nichts anderes könnte als Bäuerin, Mutter, Hausfrau sein? Aber sie weiß, wie sie wirkt, mit ihren nackten Beinen unter dem Kittelkleid, den verschwitzten Haarsträhnen, die sie sich mit dem Handrücken aus dem Gesicht wischt, und ihrem Porzellanteint, dem die Sonne von Iowa nichts anhaben kann. Und als ein plötzlich auftauchender Fotograf an all das rührt, was sie von sich weggeschoben hat, entdeckt sie in sich die Sehnsucht nach einem anderen Leben.

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Meryl Streep spielt all das ohne Anstrengung. Sie tritt mit dem ganzen Fuß fest auf der Erde auf, die sie bewirtschaftet und der sie buchstäblich verhaftet ist. Und man weiß: Sie wird sie nicht verlassen. Es ist nicht nur die Scholle, sondern auch die Arbeit darauf, die ihre Identität ausmacht.

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