Berlinale K-plus : Kinderfilme, die eigentlich keine sind

Eigentlich zeigt die Berlinale in ihrer Sparte K-plus Filme für unter 14-Jährige - doch zugleich verlagen die Beiträge seinen Zuschauern einiges ab. Es geht um Multikulti, um Genmais oder um fremde Kulturen. Kein Wunder, dass kaum deutsche Kinderfilme da mithalten können.

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Musik meets Multikulti: Malika Graff und Sylvester Byder in "Die geheime Mission"
Musik meets Multikulti: Malika Graff und Sylvester Byder in "Die geheime Mission"Foto: Karina Tengberg

„Du bist ein normaler holländischer Junge, der gerne Fußball spielt“, sagt der Vater fast drohend. Aber Finn will nicht Fußball spielen, sondern Bratsche. Und wenn Papa das nicht möchte, dann schleicht er sich eben heimlich zu dem alten Mann, der in die Nachbarschaft gezogen ist und so schön spielt, dass es an Zauberei grenzt.

„Finn“ (Niederlande) ist ein poetischer Kinderfilm, in dem ein Zehnjähriger seiner inneren Stimme folgt und dabei auf eine dramatische Familiengeschichte stößt; einer von zwölf Spielfilmen, die dieses Jahr in der Reihe Generation Kplus für unter 14-Jährige gezeigt werden. Wie immer sind es Niederländer und Skandinavier, die richtig schöne Kinderfilme liefern – aus Deutschland ist nichts dabei. Immerhin wurde „Mitten in der Winternacht“ (Niederlande) nach dem Roman „Es ist ein Elch entsprungen“ von Andreas Steinhöfel gedreht: witzig, einfallsreich und mit einem wirklich großartig animierten Elch. „Die geheime Mission“ (Dänemark) erzählt von Karl, der in seiner Kopenhagener Klasse das Landei ist, und seiner coolen türkischstämmigen Kameradin Sawsan. Heimlich fahren die zwei zum Finale des Kinder-Gesangswettbewerbs: spannend, lustig und ein unaufgeregtes Plädoyer für unsere Multikulti-Gesellschaft.

Vor allem die Franzosen bringen 3D-Animationen ins Rennen

Typisch für Kplus ist ein Angebot, das nicht für Kinder gedreht wurde. In den vergangenen Jahren gab es immer wieder Themen, die nicht alle Erwachsenen ihren Kindern zumuten mochten. In diesem Jahr ist das kein Problem, man sollte aber die Altersempfehlungen der Berlinale beachten.

In „Naturkunde“ (Argentinien/Frankreich) sucht die zwölfjährige Lila ihren Vater, unterstützt von ihrer Lehrerin. Keine Action, dafür gute Beobachtung und die Chance, sich in Menschen einzufühlen, die am anderen Ende der Welt leben und gar nicht sehr anders sind als wir. „Folge meiner Stimme“ ist eine archaische Geschichte aus dem türkischen Kurdengebiet, die wie ein modernes Märchen von Geschichtenerzählern berichtet wird. Für diesen Film müssen Kinder schon gut hinschauen können.

Fünf der Spielfilme in Kplus sind animiert, drei davon stammen aus Frankreich: „Tante Hilda!“ ist eher was für Erwachsene, die sich für Genmais und Politik interessieren, der Eröffnungsfilm „Loulou, das unglaubliche Geheimnis“ ist für einen Kinderzeichentrickfilm ziemlich gruselig und blutrünstig. „Jack und das Kuckucksuhrherz“, eine enorm aufwendige und überladene Gothic-Musicalromanze, dürfte den Lesern von Vampirromanen gefallen. In der 3D-Animation „Johan und der Federkönig“ (Schweden) werden Hasen von einem geflügelten Wesen entführt – eine seltsame Geschichte, aber immerhin mit einem beherzten Hasenjungen im Zentrum.

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