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Berlinale-Kolumne : Martenstein, die dritte: Wie es war

12.02.2012 00:00 Uhrvon
Auf der Berlinale unterwegs: Harald Martenstein.Bild vergrößern
Auf der Berlinale unterwegs: Harald Martenstein. - Foto: Thilo Rückeis

Angelina Jolie ist eine erfolgreiche Schauspielerin. Viele sagen: Sie sieht gut aus. Ihr Mann ist ein super Typ. Die Beziehung dauert schon lange. Angelina Jolie ist engagierte Mutter. Ihr Mann sagt, dass der gemeinsame Sex trotzdem immer noch toll sei.

Angelina Jolie ist eine erfolgreiche Schauspielerin. Viele sagen: Sie sieht gut aus. Ihr Mann ist ein Supertyp. Die Beziehung dauert schon lange. Angelina Jolie ist engagierte Mutter. Ihr Mann sagt, dass der gemeinsame Sex trotzdem immer noch toll sei. Angelina Jolie wirkt sympathisch, uneitel, sie engagiert sich auch politisch. Und jetzt hat sie, als Regisseurin, auch noch einen guten, engagierten, uneitlen Film gemacht. Was kommt als Nächstes? Die Moderation von „Wetten dass“? Meiner Ansicht nach wird diese Frau von einem unter die Haut gepflanzten Atomkraftwerk angetrieben. Gegen Angelina Jolie wirkt Ursula von der Leyen wie eine verschlafene Hippiebraut.

Es scheint auf ein sehr politisches Festival hinauszulaufen. Nach dem DDR- Drama „Barbara“ glaubte ich, aus dem Kino kommend, genau zu wissen, was einige Kritiker dem Film vorwerfen werden. Kollegen mit DDR- Hintergrund werden Christian Petzold vorwerfen, dass er nie in der DDR gelebt hat. Der kann uns doch nicht erzählen, wie es war. Außerdem würde dieses oder jenes Detail nicht stimmen. Der Film will aber gar nicht erzählen, „wie es war“. Er erzählt einfach nur eine von vielen möglichen DDR-Geschichten.

Die Deutungshoheit über die Vergangenheit liegt zum Glück nicht bei denen, die dabei waren. Tatbeteiligte, egal ob Täter, Opfer oder Zeugen, sind schlechte Richter. Nicht auszudenken, wenn es über die Nazizeit nur Filme von Deutschen gäbe, die damals – irgendwie – dabei waren, nichts von Steven Spielberg, von Quentin Tarantino, Roberto Benigni oder Claude Lanzmann.

In Serbien wird Angelina Jolie natürlich vorgeworfen, dass sie nicht wissen kann, wie der Balkankrieg wirklich war. Das können wahrscheinlich nur Serben wissen. Eine Zeitung schrieb, Frau Jolie sei mal mit einem serbischen Liebhaber zusammen gewesen. Der hat sie verlassen. Mit ihrem Film über serbische Massaker will sie sich jetzt rächen.

Zu Christian Petzold fiel mir ein, dass ich vor Ewigkeiten in Oberhausen einen Film über weiße Rapper gesehen habe. Damals war das Rappen noch neu, es gab fast nur schwarze Künstler. Auf dem Podium tobten hinterher zwei schwarze Rapper vor Wut. Weiße könnten nicht wissen, worum es beim Rappen überhaupt geht. Ein Jahr später tauchte Eminem auf.

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