Berlinale-Kolumne : Martenstein, die vierte: Berlinale very special intim

Am Wochenende, in der Redaktion, wollte ich einfach mal wieder Kaffee trinken. Der Kaffeeautomat bei uns auf dem Stockwerk war kaputt. Also bin ich runter in die Kantine, mit meiner Plastikkarte zum Bezahlen.

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Auf der Berlinale unterwegs: Harald Martenstein.
Auf der Berlinale unterwegs: Harald Martenstein.Foto: Thilo Rückeis

Am Wochenende, in der Redaktion, wollte ich einfach mal wieder Kaffee trinken. Der Kaffeeautomat bei uns auf dem Stockwerk war kaputt. Also bin ich runter in die Kantine, da steht noch ein Kaffeeautomat. Wir müssen immer unseren Hausausweis, das ist so eine Plastikkarte, mit Geld aufladen und können dann damit Essen und Trinken kaufen. Ich habe den Hausausweis vor die Kaffeemaschine gehalten und den Knopf „Milchkaffee“ gedrückt. Nichts passierte. Plötzlich habe ich gemerkt, dass ich gar nicht den Hausausweis dabei hatte, sondern die Akkreditierung für die Berlinale. Das ist ja auch so eine Plastikkarte.

Der Mensch irrt, so lange er lebt, dachte ich und wollte zurück in mein Büro. Im Flur, zwischen zwei Türen, fiel mir ein, dass man zum Öffnen der Türen ja ebenfalls den Hausausweis braucht. Auf dem Hinweg hatten die Türen irgendwie offen gestanden. Ich glaube, ich habe die Türen hinter mir zugemacht, ein Reflex. Jetzt war ich also auf dem Flur gefangen, mein einziger Gefährte war die Plastikkarte von der Berlinale. Ich dachte, okay, verbringe ich das Wochenende halt auf diesem Flur.

In so einer Situation sollte man versuchen, sämtliche Sektionen des Festivals auswendig aufzusagen. Forum, Panorama, Berlinale special, Außer Konkurrenz, Generation H2O, kulinarisches Kino, Perspektive, Hommage, Berlinale very special intim, Generation Kosslick 50plus, Kino ohne Grenzen, Kino gegen Genfood, Kino ohne Handlung für Linkshänder, Metrospektive expanded, Pets for Peace, Inderfilmfest – die Berlinale hat inzwischen so viele Sonderreihen, Nebenreihen und Nebennebenreihen, dass nur der Vollprofi noch durchblickt.

Ein Kollege aus der Sportredaktion kam und fragte: „Wann hat ein Film, der einen Bären gekriegt hat, eigentlich zum letzten Mal nach dem Festival an der Kinokasse großen Erfolg gehabt?“ Beim Sport denken sie immer in Ergebnissen. Ich sagte: „Das war im selben Jahr, in dem Schalke 04 das letzte Mal Meister wurde.“ Jedenfalls war ich wieder frei und habe in der Reihe „Nazifilm Talent Campus“ einen wirklich hinreißenden finnischen Nazifilm gesehen, in dem die Nazis aus dem All New York angreifen, mit riesigen Zeppelinen, mit Musik von Laibach und Udo Kier als Führer. Verpassen Sie auf keinen Fall „Iron Sky“.

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