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Berlinale-Kolumne : Martenstein, die zweite: Komödien und Konflikte

11.02.2012 14:48 Uhrvon
Auf der Berlinale unterwegs: Harald Martenstein.Bild vergrößern
Auf der Berlinale unterwegs: Harald Martenstein. - Foto: Thilo Rückeis

Ich möchte kurz den Grundwiderspruch einer Berlinale erklären. Jeder Film braucht einen Konflikt oder ein Problem. Im Leben freut man sich, wenn alles glatt läuft. Im Kino dagegen fragt man sich: Was soll das?

Es sind ja nur Leute zu sehen, die keine Probleme und null Konflikte haben. Die töten, schlagen oder foltern sich ja gar nicht. Die freuen sich einfach ihres Lebens. Dafür bezahle ich keinen Eintritt. Das kann ich auch zu Hause haben.

Bei einem Festival aber, wenn er täglich drei oder vier Mal Konflikte, Probleme und schlimme Sachen sieht, reagiert der Mensch wieder anders, das ist ihm dann zu viel. Das deprimiert ihn. Im Grunde müsste man alle drei Tage allen Besuchern einen extra fürs Festival produzierten Film zeigen, in dem sich 100 Minuten lang sympathische Leute über Belanglosigkeiten unterhalten, Popmusik hören und dazu Croissants mit Honig essen, also einen Film, der das wahre Leben der meisten Besucher zeigt.

Da könnte man durchatmen und wäre wieder fit für ein paar Hungerkatastrophen, Waisenkinder und Vergewaltigungen.

Nun, man könnte auch hin und wieder Komödien zeigen. Mit den Komödien aber hat es eine besondere Bewandtnis. Bisher dachte man, dass sich das Klima wegen des CO2-Gases erwärmt. Wir alle wissen: In Wahrheit wird es kälter, nicht wärmer. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass der steigende CO2-Gehalt der Atmosphäre nicht etwa zur Erwärmung der Erde führt, sondern zu einem stark erhöhten Ausstoß von tragischen Filmen. Holland und die Malediven sind schon zu weiten Teilen von Filmtragödien bedeckt. Die wenigen ergiebigen Quellen der Sahelzone liefern kein Wasser mehr, stattdessen fließen aus den Rohren Filme heraus, in denen Nina Hoss unter den Zuständen in der DDR leidet.

Fotos beweisen, dass im deutschen Filmarchiv die Komödienbestände schon zu 40 Prozent abgeschmolzen sind. Bei der Berlinale pumpen sie nachts verzweifelt Filme über traumatisierte Jugendliche, Massenmorde und scheiternde Ehen ab, Richtung Spree, aber durch die Kanäle steigt es halt immer wieder hoch.

Nachdem ich in zwei Tagen bereits fünf Tragödien gesehen habe, sage ich: Wir dürfen in unseren Anstrengungen, den CO2-Ausstoß zu verringern, nicht nachlassen.

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