Berlinale : Shia LaBeouf ist schlaflos in Bukarest

Shia LaBeouf kann sich mit der Räuberpistole „The Necessary Death of Charlie Countryman“ wohl keine allzu großen Hoffnungen auf einen Berlinale-Bären machen. Doch was hat dieser Film überhaupt im Wettbewerb zu suchen?

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Shia LaBeouf in Bukarest.
Shia LaBeouf in Bukarest.Foto: Berlinale

Der Tod muss nicht das Ende sein, nicht im Kino. Da können Verblichene auch nach ihrem Ableben noch tragende Rollen spielen. Man denke nur an Billy Wilders Klassiker „Sunset Boulevard“, der aus der Perspektive eines Mannes erzählt wird, der am Anfang tot in einem Swimmingpool treibt. Der amerikanische Wettbewerbs-Beitrag „The Necessary Death of Charlie Countryman“ beginnt mit einem Blick in das bluttriefende Gesicht von Shia LaBeouf. „Hier sehen wir das Gesicht der Liebe“, raunt dazu eine Stimme aus dem Off. Der Held hängt auf einem nächtlichen Hoteldach kopfüber an einem Kran. Dann fällt ein Schuss. Und er stürzt hinab, schlägt auf im Wasser, sinkt in die Tiefe.

Die Figuren, die „Charlie Countryman“ vorführt, sind so entscheidungsschwach, dass die Handlung immer wieder von Toten vorangetrieben werden muss. Charlie Countryman, dem von LaBeouf verkörperten Titelhelden, rät seine gerade verstorbene Mutter in Chicago, er solle nach Bukarest fliegen. Warum? „Keine Ahnung, aber das klingt doch konkret.“ Später stellt sich heraus, dass sie eigentlich Budapest meinte. Im Flugzeug trinkt Charlie mit seinem Sitznachbarn Champagner, einem rumänischen Musiker, der am nächsten Morgen tot ist, ihn aber noch aus dem Jenseits bittet, seiner Tochter ein Geschenk zu überreichen.

So gerät der Zufallstourist an die Cellistin Gabi (Evan Rachel Wood müht sich um einen harten osteuropäischen Akzent), der er sofort verfällt. Sie ist aber noch mit Gangsterboss Nigel (Mads Mikkelsen) verheiratet, der prompt ein „Blutbad“ ankündigt. Regisseur Fredrik Bond hat bislang Musikvideos und Werbeclips inszeniert. Das ist der verspielten Hochglanzästhetik seines Spielfilmdebüts anzusehen, etwa wenn Charlie im Drogenrausch ein Auge aus einem Urinal entgegenglotzt oder wenn die Seele der Mutter in Form eines bläulichen Waberwesens aus ihrem Mund entweicht.

Der Film orientiert sich erkennbar an Guy Ritchies rasanten Genre-Bastarden, doch aus der Atemlosigkeit der Action erwächst bloß rasender Stillstand. Es gibt Verfolgungsjagden im Trabbi, LaBeouf demonstriert, dass er ein guter Sprinter ist, und Til Schweiger hat einen schönen Gastauftritt als Mobster: „Mein Name ist Darrrko!“ Doch was hat diese Räuberpistole im Wettbewerb eines A-Festivals zu suchen?

10.2., 15 Uhr (Friedrichstadt-Palast) und 22.15 Uhr (HdBF), 17.2., 22.45 Uhr (Berlinale-Palast)

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