Berlinale : Tagesspiegel-Leserjury kürt "Winter's Bone"

Schonungslos realistisch: Die Jury des Tagesspiegels vergibt den mit 3000 Euro dotierten Preis für den besten Forums-Film an das US-Drama von Debra Granik.

von
324400_0_53ce21d7.jpg
Vom Leben zerzaust. Jennifer Lawrence als Ree in "Winter's Bone". -Foto: Berlinale

Am Ende war es eindeutig. Die Tagesspiegel-Leserjury hat das Drama „Winter’s Bone“ von Debra Granik als besten Forums-Film ausgezeichnet. Der mit 3000 Euro dotierte Preis wurde am Samstagmittag vergeben, im Rahmen der Preisverleihung der unabhängigen Jurys in der Saarländischen Landesvertretung. Die US-Regisseurin freute sich: „Ich möchte bitte Fotos von allen Juroren, die hänge ich im Büro auf.“ Eine schönere Ermutigung als einen Publikumspreis könne es nicht geben.

Die neun Juroren begründen ihr Votum: „Der Film, in dem eine 17-Jährige die komplette Verantwortung für ihre Angehörigen übernimmt, zeichnet ein schonungsloses, realistisches Bild einer Familie aus Missouri. Er glänzt durch exzellente schauspielerische Leistungen – vor allem die der Hauptdarstellerin Jennifer Lawrence, aber auch die der Bewohner und Laiendarsteller. Die Kamera ist so nah an den Personen und am Geschehen, dass man als Zuschauer den Eindruck hat, dabei zu sein.“

34 Forums-Filme hat die Jury in neun Tagen gesichtet und zwischendurch viel diskutiert. Nicht leicht, da den Überblick zu behalten: Die Abiturientin Anna Luisa Schmid, mit 19 Jahren die Jüngste, malte Sternchen in ihr Programmheft. Birgit Wohlsperger, 61, notierte sich im Kalender Stichworte zum Tagespensum von drei bis fünf Filmen.

324564_0_2773c4f6.jpg
Die Siegerin. Regisseurin Debra Granik (mit Blumenstrauß) und zwei Drittel der Leserjury bei der Preisverleihung. -Foto: Dario Lehner

Auf der Abschlussdiskussion am Freitag im Filmhaus am Potsdamer Platz aktualisiert Jury-Koordinatorin Angela Hannawald ein letztes Mal die Top-Drei-Liste der Gruppe. Seit der letzten Besprechung gab es noch Änderungen, täglich kamen neue Filme hinzu, jeder erfordert eigene Kriterien. Hannawald gibt einen Tipp: „Ihr müsst den Film ehrlich weiterempfehlen können. Und ihr müsst Lust haben, ihn ein zweites Mal anzuschauen.“

Nachdem aus den Top-Drei-Listen von allen eine Endauswahl ermittelt ist, konzentriert sich die Schlussdiskussion schnell auf zwei Forums-Filme. Argumente werden ausgetauscht, Qualitäten abgewogen: märchenhaft gegen existentiell, experimentell gegen geradeaus, auch die politische Ebene zählt. „Das sind beides geile Filme“, sagt Juror Benjamin Richter.

Doch eine Entscheidung muss her. Und die Abstimmung fällt überraschend leicht: „Winter’s Bone“ bekommt acht von neun Voten. Auch deshalb, weil das an Originalschauplätzen gedrehte Drama einen fast dokumenta

324409_0_9ab35f25.jpg
Die Jury. Alper Ari, Anna Luisa Schmid, Benjamin Richter, Ingrid Huldisch, Stefan Ritter, Birgit Wohlsperger, Andreas Koch, Anna...Foto: Kai-Uwe Heinrich

rischen Charakter hat, wie mehrere Jurorinnen bemerken – ein kleiner Ausgleich dafür, dass es keine der exzellenten Dokus in die Endauswahl schaffte.

„Winter’s Bone“ läuft am Sonntag um 19.30 Uhr im Babylon Mitte sowie – in Anwesenheit der Regisseurin und der Leserjury – um 20.30 Uhr im Cinemaxx 6 am Potsdamer Platz: Die gegegenüber dem Programm geänderte Anfangszeit ist dieser Überschneidung geschuldet, der Fahrer mit den Filmrollen verspricht, sich zu beeilen.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben