Kultur : BerlinBallett: Brunner denkt nach

Alles auf Anfang: drei Kompagnien als unabhängige RechtsformSchau an.Gerhard Brunner, der Ballettbeauftragte von Peter Radunskis Gnaden, ist doch effektiver, als seine zögerliche Vorstellung auf der Antrittspressekonferenz es ahnen ließ.Noch hat er sein Büro im Podewil nicht bezogen, da streut er schon strategisch an verschiedenen Stellen seine Visionen von einem BerlinBallett aus.Die sind schon erstaunlich konkret und unterscheiden sich deutlich von dem Wolkenkuckucksheim à la Radunski.Gerhard Brunner hat sich in den letzten Wochen hier viel Repertoire angeschaut, hat mit Daniel Barenboim und Götz Friedrich gesprochen und mit dem Tandem Marc Jonkers / Jan Linkens die Lage sondiert.Von einer freischwebenden Kompagnie, die von Fall zu Fall die Häuser bespielt, hält Brunner gar nichts mehr, die ließe sich nur mit aufgeblähtem Verwaltungsapparat in die Orchester- und Bühnendisposi- tionen der Opernhäuser einbinden. Gerhard Brunner möchte drei eigenständige Kompagnien an den Häusern erhalten, diese aber verändern.Die Lindenoper soll dann weiterhin - mit abgespeckter, bei den großen Klassikern durch die Staatliche Ballettschule ergänzter Belegschaft, die überlieferten Abendfüller und das neoklassische Repertoire tanzen.Einen Ballettdirektor braucht man dann dort nicht, freilich jemanden, der sich kontinuierlich um die Pflege des Repertoires kümmert.Ein erster Schritt in diese Richtung wurde dort jetzt mit dem Engagement des ehemaligen Münchner Solisten Dinko Bogdanic als Trainingsmeister unternommen.Als festen Gastchoreographen für die nötige Zufuhr an klassich modernen Stücken, favorisiert Gerhard Brunner den Franzosen Angelin Preljocaj, der gerade an der Pariser Oper ein "Casanova"-Ballett herausgebracht hat und den er auch schon Daniel Barenboim nahegelegt hat.Als Gäste für Handlungsballette könnte sich Brunner die Choreographen Youri Vamos (Ballettdirektor in Düsseldorf) und Heinz Spoerli (Ballettdirektor in Zürich) vorstellen. Für die anderen beiden Häuser hat Gerhard Brunner jeweils einen jungen Choreographen im Auge, der dort vornehmlich eigene Stücke herausbringen soll.An die Deutsche Oper (deren Ballett an Sollstärke nach diesem Plan die meisten Federn lassen müßte) würde er am liebsten Joachim Schlömer engagieren, der zur Zeit in Basel arbeitet.Schlömer, dem Brunner bereits ein Angebot gemacht hat, würde gerne kommen (siehe Tagespiegel-Interview vom 1.April), wäre auch in der Lage, die große Bühne zu bespielen, möchte aber seinen noch drei Jahre laufenden Vertrag in Basel erfüllen. An der Komischen Oper ist augenblicklich alles offen, doch deuten dort die Zeichen, nicht zuletzt wegen der katastrophalen Platzausnutzung, auf einen Direktoren-Wechsel.Marc Jonkers würde man als kreativen Kopf gerne halten, doch der möchte nicht von Jan Linkens als (bisher glücklosem) Chefchoreographen lassen.Auch hier hat Brunner schon das Terrain sondiert, Mark Morris wäre einer seiner Wunschkandidaten für den Chroreographenstuhl. Unbedingt möchte Gerhard Brunner William Forsythe nach Berlin holen.Aus Frankfurt wird der sich nicht weglocken lassen, denn auch wenn er mit seinem Intendanten Steinhoff unrettbar zerstritten ist, so verfügt er dort mit Trainingsräumen und dem Bockenheimer Depot, das man ihm jetzt überlassen will, über eine bessere Infrastruktur als sie ihm Berlin bieten könnte.Da seine jährliche Gastspielserie im Pariser Théâtre du Châtelet zu Ende geht, könnte man über eine solche in Berlin nachdenken, vielleicht bei Tanz im August, als Anfang und früher Höhepunkt der neuen Spielzeit.Auch einen Direktor für das rechtlich unabhängige BerlinBallett hat Gerhard Brunner, der sichtlich wieder Blut geleckt, schon - zumindet für die ersten Jahre: himself. bru

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