• Berliner Auktionshaus: Die Frühjahrsauktionen bei Grisebach: Corinth, Klapheck und Warhol

Berliner Auktionshaus : Die Frühjahrsauktionen bei Grisebach: Corinth, Klapheck und Warhol

An vier Tagen kommen Kunstwerke für geschätzte 16 Millionen Euro unter den Hammer. Die große Sensation ist Andy Warhols Adaption der Mona Lisa. Sie ist ein Angebot mit Signalwirkung.

Angela Hohmann
Was dich anschaut. Ausschnitt aus „Das Lächeln der Auguren“ (68 x 79,5 cm) von Konrad Klapheck, entstanden 1968. Das Ölgemälde wird bei Grisebach auf mindestens 100 000 Euro geschätzt. Foto: Grisebach / VG Bildkunst, Bonn 2017
Was dich anschaut. Ausschnitt aus „Das Lächeln der Auguren“ (68 x 79,5 cm) von Konrad Klapheck, entstanden 1968. Das Ölgemälde...Foto: Grisebach / VG Bildkunst, Bonn 2017

Der Blick ist introvertiert, die Brauen wölben sich fast sorgenvoll. Das Gesicht mit den hohen Wangen wird von einem Turban umrahmt, der helle Blauton findet sich auch im gestreiften Kleid seiner Trägerin. Immer wieder hatte Max Kaus seine Frau Gertrud, die er Turu nannte, auf die Leinwand gebannt. 1924, als das Gemälde entstand, hatten die beiden geheiratet und die gemeinsame Atelierwohnung in Charlottenburg bezogen. Mit einem Schätzwert von 35 000- 45 000 Euro ist das „Frauengemälde (Turu)“ zwar kein Spitzenlos der Frühjahrsauktionen bei Grisebach, aber mit Sicherheit eines der schönsten Bilder.

An vier Tagen kommen 1500 Kunstwerke zum mittleren Schätzwert von 16 Millionen Euro unter den Hammer. Den höchsten Preis mit einer Taxe von einer Million Euro soll Max Beckmanns „Tiergarten im Winter“ (1937) erzielen. Der Maler hatte mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten seine Stellung an der Frankfurter Städelschule verloren, er selbst war an die Spree zurückgekehrt und wohnte im Tiergarten-Viertel. Das melancholische Bild zeigt den Blick aus seinem Fenster auf die winterliche Landschaft. Im Juli darauf verließ Beckmann Berlin.

Warhols Werk ist das teuerste Los für Gegenwartskunst

Beide Werke stehen für das nach wie vor starke Angebot klassischer Moderne bei Grisebach. Weitere Höhepunkte sind eine abstrahierte Landschaft in gedämpft frohen Farben von Gabriele Münter (1910), ein lange verschollenes Lilienbild von Erich Heckel aus dem Jahr 1912 mit amerikanischer Provenienz, die „Frau im Wald“ des späten Expressionisten Conrad Felixmüller (Taxe jeweils ab 200 000 Euro) und „Zwei weibliche Akte im Wald“ von Otto Müller (ab 100 000 Euro). Besonders reizvoll sind ein farbenprächtiges Landschaftsaquarell mit aufziehendem Unwetter von Emil Nolde (Taxe: 120 000 Euro) sowie zwei wunderbare Zeichnungen von Ernst Ludwig Kirchner: „Zwei sitzende Akte“ (1913) und „Besuchsszene im Atelier“ (um 1912). Ins Auge sticht außerdem der spröde Halbakt eines sich kämmenden Mädchens von Karl Hofer aus dem Jahr 1938 (Taxe: 250 000 Euro).

All diese Werke werden in der Abendauktion versteigert, die stets auch ein gesellschaftliches Ereignis ist. Flankiert wird das Angebot durch weitere hochwertige Werke der Moderne-Auktion und von Picasso-Keramiken am Tag darauf. Ein beeindruckendes Aufgebot, das noch einmal unterstreicht, worauf einst der Schwerpunkt des Auktionshauses lag.

Die heimliche Sensation ist diesmal jedoch ein Werk von Andy Warhol mit einem Schätzwert zwischen 500 000 und 700 000 Euro. Im Zentrum steht die lächelnde Mona Lisa, die Warhol um 1979 auf ungrundierte Leinwand druckte. Das Bild entstand in seiner legendären New Yorker Factory und war seither im Besitz eines seiner Assistenten. „Die Mona Lisa von Warhol ist das teuerste Los in den bisherigen Auktionen für zeitgenössische Kunst bei Grisebach und das zweitteuerste Los unserer Frühjahrsauktionen“, erklärt Florian Illies als geschäftsführender Gesellschafter. Warhols Werk habe Signalwirkung für die Zukunft des Hauses: „Die zeitgenössische Kunst wird die zweite zentrale Säule der Villa Grisebach.“

Es vollzieht sich ein Generationswechsel unter den Sammlern

Gegenwartskunst ist hierzulande wie auch international ein wichtiges Thema für den Auktionsmarkt geworden. Illies: „Es vollzieht sich gerade ein zyklischer Geschmackswechsel. Die ältere Generation, die sich mit der klassischen Moderne identifiziert und diese stets gesammelt hat, wird abgelöst von einer jüngeren, die sich vornehmlich für die Nachkriegskunst interessiert.“ Darauf antworte die Villa strategisch. Mit Werken der Zero-Künstler und ihres Umfelds treibt man guten Handel, bei anderen wie Gotthard Graubner oder Konrad Klapheck hofft man auf künftige Wertsteigerung. Auch junge, in Berlin arbeitende Künstler wie Jorinde Voigt, Anselm Reyle und Katharina Grosse sind im Segment der Gegenwartskunst vertreten.

Bis diese aber tatsächlich das Angebot an Vergangenem überflügelt, wird es wohl noch eine Weile dauern. Bis dahin erweitert die Villa konsequent ihr Spektrum. Denn das war in den letzten Jahren die entscheidende Strategie, mit der sie an die Spitze der deutschen Auktionshäuser gelangte. Man stärkte die zeitgenössische Kunst, richtete eine Abteilung für das 19. Jahrhundert ein, das diesmal ein Landschaftsbild von Camille Pissarro und das schöne Gemälde „Liegender weiblicher Rückenakt“ von Lovis Corinth zu bieten hat. Und stellte die Orangerie mit ihrem Cross-over an antiken Möbeln, Porzellan, Schmuck und Design sowie die Fotografie dazu. „Wir denken unbedingt daran, weiter zu expandieren und prüfen gerade ganz konkret zwei Felder, auf denen wir künftig aktiv werden könnten“, meint Illies. Welche das sind, bleibt vorerst ebenso Geheimnis wie das Lächeln von DaVincis Mona Lisa.

Grisebach, Fasanenstr. 27, Vorbesichtigungen: bis 30.5., Fr-Mo 10-18 Uhr, Di 10-15 Uhr, Auktionen: 31.5.-3.6.

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