Berliner Bühnen : Volle Kraft voraus

Fünf Berliner Bühnen werden stärker gefördert. Das Renaissance Theater braucht keine Konzeptförderung mehr.

Frederik Hanssen

Im Haifischbecken der Berliner Kulturszene ist Platz für viele Boote: Da sind die großen Tanker der Opern und Staatstheater, da sind die wendigen Schaluppen der freien Szene, da sind die privatwirtschaftlich geführten Bühnen, die gerne mal untergehen und unerwartet wieder auftauchen – und mittendrin suchen jene mittelgroßen Fahrgastschiffe ihren Weg, die nicht mehr zu den Einhandseglern gehören, andererseits aber auch nicht die nötigen Bruttoregistertonnen, das kulturpolitische Gewicht für ein dauerhafte Subvention vorweisen können.

Für diese Boote hat die Berliner Senatskulturverwaltung die sogenannte „Konzeptförderung“ erfunden, die jeweils für eine Dauer von vier Jahren vergeben wird. Danach erfolgt eine Evaluation des künstlerischen Outputs durch ein dreiköpfiges Expertengremium. Für die Jahre 2011 bis 2014 durften jetzt die beiden Theaterkritiker Ute Büsing und Patrick Wildermann sowie der ehemalige Verwaltungsdirektor des Maxim Gorki Theaters und jetzige Geschäftsführer des Festivals „Theaterformen“ Hannover, Eberhardt Wagner, dem Senat Vorschläge unterbreiten.

Eine undankbare Aufgaben, mit der man sich schnell viele Feinde schaffen kann: Auch wenn der Topf für die Konzeptförderung 2008 um eine Million Euro aufgestockt worden und für den nächsten Doppelhaushalt eine neuerliche Erhöhung um 625 000 Euro vorgesehen ist, liegt das Antragsvolumen doch traditionell deutlich über den zur Verfügung stehenden Mitteln. Diesmal erhofften sich 23 Antragsteller Staatshilfe in Höhe von 9,8 Millionen Euro. Zu verteilen sind aber deutlich weniger, nämlich nur 3,75 Millionen.

Die Gutachter empfehlen, alle bislang konzeptgeförderten Einrichtungen auch weiterhin zu fördern. Demnach erhielte die Neuköllner Oper rund 1,1 Millionen Euro, die Sophiensaele 750 000 Euro, das „Theater 89“ 200 000 Euro, das Theater im Palais ebenfalls 200 000 Euro, das Theater Strahl 275 000 Euro, die Vagantenbühne 322 200 Euro sowie Nico and the Navigators 100 000 Euro.

Neu in die Förderung aufgenommen werden soll die auf Dokumentartheater spezialisierte Truppe von Rimini Protokoll, bei denen Laien als Darsteller ihrer selbst auftreten (135 000 Euro). Die Choreografin Constanza Macras wird für eine Förderung in Höhe von 120 000 Euro vorgeschlagen, der in Mitte beheimatete Theaterdiscounter bekäme 150 000 Euro, das Kreuzberger Kulturzentrum „Ballhaus Naunynstraße“ 200 000 Euro. Besonders erfreulich fällt das Votum für das Kleine Theater am Südwestkorso aus: Bei der letzten Evaluation war die Bühne aus der Konzeptförderung gefallen. Nun entspricht die künstlerische Qualität wieder den Ansprüchen der Jury. Die sprach sich übrigens auch dafür aus, die Komödie am Kurfürstendamm 2010 einmalig mit 330 000 Euro zu unterstützen.

Nicht mehr in der Konzeptförderung wird das Renaissance Theater sein. Die Bühne hat nämlich den Sprung in die nächsthöhere Bootsklasse geschafft: Ausgestattet mit jährlich 2,1 Millionen Euro darf das Charlottenburger Traditionshaus nun als Schärenkreuzer in die Zukunft segeln. Frederik Hanssen

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