Kultur : Berliner Ensemble: Vielleicht wird alles gut

Rüdiger Schaper

Pressekonferenzen bei Claus Peymann waren auch schon besser besucht. Aber das ist vielleicht nicht so wichtig: Das Berliner Ensemble hat eine Auslastung von über 80 Prozent und entsprechend gute Einnahmen. Direktor Peymann wuchert mit diesem Pfund: "Wir sind das am besten funktionierende Theater in Berlin". Aufhorchen ließ gestern seine Bemerkung: "Es wird sich für uns zeigen, ob es Sinn hat, in Berlin zu arbeiten." Keine Rückzugsdrohung, das nicht. Doch Kratzer am Selbstbewusstsein des Theaterdirektors werden sichtbar, nach einer Reihe ausgesprochen schlechter Kritiken. Peymann empfindet das Berliner Klima teilweise als "abstoßend und ernüchternd". Und die Kulturpolitik in der Hauptstadt nennt er "dilettantisch". Der große Peymann musste einen Lottoantrag stellen.

Das BE bleibt auf seinem Kurs - mit einer Reihe von Uraufführungen. "Artaud erinnert sich an Hitler und das Romanische Café" von Tom Peuckert - ein Monolog mit Martin Wuttke - hat am 3. Oktober Premiere. Vom 16. bis 18. Oktober (nur drei Vorstellungen!) zeigt das BE "Mutters Tag" von Christoph Hein, mit Ursula Höpfner und George Tabori, der einen Juden spielt, der nach Deutschland zurückkehrt und seiner ermordeten Mutter begegnet. Peymann und Karl-Ernst Herrmann leiten diese Aufführung, die zusammen mit "Die Jüdische Frau" aus Taboris Brecht-Abend gezeigt wird. Philip Tiedemann inszeniert für den 18. Oktober Brechts "Kleinbürgerhochzeit", und im Dezember bringt Tabori am BE sein neues Stück "Frühzeitiges Ableben" in eigener Regie heraus. Zwei Uraufführungen von Elfriede Jelinek sind angekündigt: "Das Lebewohl" (Regie Ulrike Ottinger, im Dezember) und Ende Januar "Macht nichts"; dafür kehrt Einar Schleef ans BE zurück. Neue Produktionen von Achim Freyer und Franz Wittenbrink kommen in dieser Spielzeit heraus. Für "Haus Deutschland" von Franz Xaver Kroetz und Peter Turrinis "Ich liebe dieses Land" stehen Termine noch nicht fest. Christoph Ransmayer und Thomas Brasch schreiben für Peymann neue Dramen. Vielleicht wird doch noch alles gut.

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