Kultur : Berliner Festwochen: Tagebuch: Kammermusiksaal der Philharmonie

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Wenn "Zimmermann" auf den Transparenten am Portal der Staatsoper prangt, ist nicht etwa von dem Komponisten die Rede, der mit den "Soldaten" die wichtigste Oper seit "Wozzeck" schrieb, sondern von den beruflichen Irrwegen eines Zaren. So musste man sich zur musikalischen Grundversorgung in den Kammermusiksaal der Philharmonie begeben, in dem ein Programm mit Solo-Werken von Bernd Alois Zimmermann und Helmut Lachenmann lockte. Thomas Demenga nahm sich Zimmermanns Cello-Sonate an und schuf zwölf Minuten intensiver Musikalität. Solch unbedingtes Aufgehen eines Musikers in seiner Interpretation erlebt man in der Neuen Musik nicht oft. Sei es die eröffnende, klanglich changierende Ausdeutung des ersten Reihentons B in hoher Lage oder die scheinbar mühelose Verwandlung des halsbrecherisch zwischen verschiedenen Spieltechniken wechselnden "prestissimo possibile fantastico molto" des ersten Satzes - alles entsprang höchster Präzision, rückhaltloser Empfindung. Bis hin zum esoterischen Verlöschen des Stückes in dreigestrichener Oktave (!), an das die "Vier kurzen Studien für Cello solo" kurz vor dem Freitod des Komponisten anknüpfen sollten, vermochte Demenga den Spannungsbogen aufrecht zu halten. Unter den sechs weiteren Solisten des Abends überzeugten besonders Babette Haag und Elisabeth Kufferath mit Lachenmanns "Interieur I" für Schlagzeug und der "Toccatina" für Violine.

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