Berliner Kulturetat : Kunsthalleluja

Bei den Diskussionen über die geplanten Kulturausgaben 2010/11 verteidigt Wowereit seinen Kulturetat. Er hat durchgesetzt, dass er in den kommenden zwei Jahren für die Kultur 16 Millionen Euro mehr ausgeben darf.

Warum die Uhr im Saal 376 des Berliner Abgeordnetenhauses eine Stunde vorgeht, weiß an diesem Montagmorgen zwar keiner. Einen gewissen Symbolwert aber hat der falsch eingestellte Zeitmesser allemal: Die Parlamentarier beginnen mit ihrer Diskussion über die geplanten Kulturausgaben im Doppelhaushalt 2010/11 also um fünf nach 12. Klaus Wowereit allerdings geht sichtlich entspannt in die Debatte, hat er doch im Senat durchgesetzt, dass er in den kommenden zwei Jahren für die Kultur 16 Millionen Euro mehr ausgeben darf. Allein zehn Millionen davon sind für die sogenannte „Tarifvorsorge“ reserviert – eine kleine Sensation: Denn erstmals seit 1995 müssen die vom Land subventionierten Institutionen Gehaltserhöhungen ihrer Mitarbeiter nicht mehr aus dem eigenen Budget quetschen.

Um 1,25 Millionen Euro erhöht sich der Berliner Anteil bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, um 1,2 Millionen Euro bei der Rundfunkorchester und -chöre GmbH. 300 000 Euro stehen künftig im Bereich der bildenen Kunst für die Provenienzforschung zur Verfügung, für die Sanierung von Staatsoper, Schillertheater und Volksbühne sind 162 Millionen Euro eingeplant, der Bau der neuen Zentral- und Landesbibliothek wird angeschoben. So weit, so unstrittig.

Bei seinem derzeitigen Lieblingsprojekt, dem Neubau einer Kunsthalle am Humboldthafen (Tagesspiegel vom 30.8.), wird sich Wowereit warm anziehen müssen. Denn nicht nur CDU und FDP wollen dafür keine 30 Millionen Euro ausgeben, auch die Linke ist dagegen: weil die Erweiterung des Bauhaus-Archivs eine viel wichtigere Aufgabe sei als die Schaffung einer neuen Stätte für junge Kunst. Alice Ströver von den Grünen dagegen will zwar die Kunsthalle, favorisiert als kostengünstigeren Standort aber den ehemaligen Blumengroßmarkt in Kreuzberg.

Wütend macht Ströver die Tatsache, dass immer mehr Mittel der Kulturverwaltung durch dauerhafte institutionelle Förderung gebunden werden, wie es jetzt auch beim Renaissance-Theater geplant ist. Es ist der Politikerin zu wenig, dass der Topf für die freien Theater dagegen lediglich um 675 000 Euro aufgestockt wird. Dabei sind die doch für Berlins Ruf gerade so wichtig! Am liebsten möchte sie drei Prozent der Mittel für die Staatstheater vom Parlament sperren lassen, die nur dann freigegeben werden, wenn die großen Kulturtanker mit der Off-Szene kooperieren. (F. H.)

0 Kommentare

Neuester Kommentar