Kultur : Berliner Kulturpolitik: Drei Schritte vor, zwei zurück

Jörg Königsdsorf

Die Frustration ist Christoph Stölzl anzumerken. Inzwischen bezeichnet Berlins Kultursenator seine Bühnenstrukturreform selbst als "Never ending story" und findet für den langwierigen Entscheidungsprozess nur noch den Vergleich mit der Echternacher Springprozession: drei Schritte vor, zwei zurück. Nachdem es Stölzl gelungen war, seine Mitsenatoren von der Notwendigkeit einer Übernahme der jährlichen Tarifsteigerungen an den Bühnen zu überzeugen, war nach der gestrige Senatskonferenz wieder der Sprung zurück fällig. Die Entscheidung über Finanzierungsverträge mit Berlins Kulturbetrieben könne erst nach einer Erörterung der Auswirkungen auf die mittelfristige Finanzplanung getroffen werden, so Stölzl. Eine Einigung über diesen entscheidenden Punkt seines Reformpapiers sei im Senat nicht möglich gewesen.

Durchsetzen konnte sich Stölzl bislang nur in organisatorischen Fragen: Die drei Opernhäuser, das Deutsche Theater, die Volksbühne, das Maxim-Gorki-Theater, das Carroussel-Theater und das Konzerthaus am Gendarmenmarkt sollen laut Senatsbeschluss in GmbHs umgewandelt werden. Der Zeitpunkt der Umwandlung richtet sich nach dem finanziellen Zustand der Häuser: Kulturbetriebe mit hohen Defiziten sollen erst durch den Theaterstrukturfonds entschuldet werden, bevor die Rechtsform geändert wird.

Die drei Ballette sollen zwar weiterhin in die Opernhäuser integriert werden, bekommen jedoch eigene Budgets und eine gemeinsame Leitung. Der Ballettverantwortliche wird die Tanzinteressen auch im Berliner Opernrat vertreten, einem Gremium aus Intendanten und Geschäftsführern der Opernhäuser unter Vorsitz des Kultursenators, das für die Spielplanabstimmung der Häuser verantwortlich sein wird.

Zu einer möglichen Übernahme der Staatsoper durch den Bund, über die Udo Zimmermann zuvor in einem Interview mit Inforadio spekuliert hatte, wollte Stölzl keine Auskunft geben: "Da weiß Herr Zimmermann mehr als wir". Gegenüber dem Tagesspiegel betonte der designierte Intendant der Deutschen Oper, der die Bundesfinanzierung der Staatsoper als "immer wahrscheinlicher" bezeichnet hatte, er habe "lediglich ein hartnäckiges Gerücht zitiert, um die Sache etwas zu forcieren". Zugleich gebe es jedoch sowohl in der SPD wie in der CDU eine immer stärkere Erwartungshaltung, was ein erweitertes Engagement des Bundes angehe. "Nur muss man dann auch dafür sorgen, dass die Deutsche Oper nicht ins Hintertreffen gerät und die Entlastung nicht in irgendwelchen dunklen Löchern verschwindet, sondern der Kultur zugute kommt." Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin weist die Spekulationen indes mit der Bemerkung "Viel Lärm um Nichts" zurück: "Es gibt grundsätzlich keine neue Lage". Stölzl habe sich in dieser Angelegenheit schriftlich an ihn gewandt, es werde demnächst ein weiteres Gespräch geben.

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