Kultur : Berliner Kulturpolitik: Stölzl sucht Lösung für "Kulturknäuel"

In die Berliner Kulturpolitik kommt Bewegung. Kultursenator Christoph Stölzl hat sich zum ersten Mal seit seinem Amtsantritt im April etwas konkreter geäußert. Besonders die künftige Ausrichtung der Berliner Festspiele beschäftigt Stölzl. Man müsse die Konkurrenz von Salzburg, Wien und Bayreuth akzeptieren und daraus die richtigen Schlüsse ziehen. Es gebe in Berlin bereits ein reichhaltiges Gastspielangebot: "Wir haben die Festspiele der Staatsoper. Wir haben im Hebbel-Theater praktisch ein ganzjähriges Theaterfestival der Avantgarde. Wenn in der Stadt jetzt noch außer der Reihe etwas gemacht werden soll, dann muss es seine Notwendigkeit sehr genau definieren", sagte Stölzl in einem dpa-Gespräch. Beim Theatertreffen schwankt der Senator, da das Echo diesmal "recht doppeldeutig" ausgefallen sei. Es sei aber die Entscheidung des neuen Festspielleiters, nach welchem Konzept man verfahren solle. Der Nachfolger des zum Jahresende ausscheidenden Festspiele-Intendanten Ulrich Eckhardt wird voraussichtlich nach der Kuratoriumssitzung am 17. Juli vorgestellt, gemeinsam mit dem neuen Leiter der Berlinale. Nach der Absage von Gerard Mortier scheint es auf Joachim Sartorius zuzulaufen, den Generalsekretär des Goethe-Instituts in München. Sartorius ist dem Vernehmen nach der Favorit von Kulturstaatsminister Michael Naumann. In der Frage eines "Festspielhauses" schaut man wieder auf die Freie Volksbühne. Mit dem Schiller-Theater, dem Spielort des Theatertreffens, ist niemand glücklich. Stölzl sprach sich für eine Nutzung der Freien Volksbühne aus, er hält das vom jetzigen Investor geplante Kinocenter für unrealistisch. Was aber geschähe dann mit dem Schiller-Theater? "Das alles ist ein Knäuel - wer macht Festspiele, und wo finden sie statt?", fasste der Kultursenator, der sich offensichtlich mit Naumann abgestimmt hat, die offenen Fragen zutreffend zusammen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben