Kultur : Berliner Kulturpolitik: Unter Umständen

Längst verhält es sich mit der so genannten Berliner Opernreform wie mit der Fischpredigt des Heiligen Antonius zu Padua: Wer immer am Spreeufer steht und seine Worte über die Wellen schickt - die Fischlein drunten im Wasser wackeln eifrig mit ihren Schwänzlein. Geloben Besserung, Läuterung, neue Glaubensfestigkeit in allen Fragen eines "inhaltlich überzeugenden und wirtschaftlich erfolgversprechenden Gesamtberliner Opernangebots". Passieren aber tut - nichts, gar nichts. Die Fischlein tummeln sich, die Welt bleibt schlecht.

Blicken wir in die laufende Woche. Oh, wie wichtig! Angebliche Gespräche im Kanzleramt über eine mögliche Überführung der Staatsoper in die Obhut des Bundes. Folge 1: Michael Naumanns 3,5-Millionen-Nugget für Daniel Barenboims Verbleib Unter den Linden war keine einmalige Morgengabe. Möglicherweise, vielleicht, unter Umständen. Folge 2: Udo Zimmermann, der designierte Generalintendant der Deutschen Oper, prescht mal wieder vor. Äußert über Äther, für wie sinnvoll er eine solche Übernahme erachtete - immer vorausgesetzt, "sein" Haus würde finanziell nicht benachteiligt. Alles sattsam bekannt.

Oh, wie wichtig! Beratungen im Senat über Christoph Stölzls mehrfach schönheitsoperiertes Reformpapier. Folge 1: Man beschließt "Maßnahmen zum Einstieg" (siehe unten) - was nichts anderes bedeutet, als dass zunächst rein gar nichts passiert. Vielleicht, möglicherweise. Der wichtigste Satz der Presseerklärung nämlich duckt sich verschämt ganz unten auf dem Papier: Derjenige über die "längerfristigen Finanzierungsverträge", die ob ihrer Auswirkungen auf die Finanzplanung der Stadt gründlich überlegt sein wollen. Folge 1: Die SPD-Senatoren würgen ihren CDU-Kollegen erfolgreich eine rein. Folge 2: Die Übernahme der Tarifsteigerung durch das Land - das Wohl und Wehe eines jeden Hauptstadtbühnenstruktureformkorrekturpapiers - bleibt hübsch in der Schwebe. Folge 3: Die Predigten werden immer länger und länger, die Fische immer dümmer und dünner. Und die Oper selber? Blubb, sagt sie ganz leise. Blubb, blubb.

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