Berliner Kunsthalle : Es rappelt in der Kiste

Nach dem Rücktritt des Beirats muss der Neuanfang für Berlins Temporäre Kunsthalle verschoben werden.

Christiane Meixner

In der blauweißen Kiste am Berliner Schloßplatz wird für die nächste Ausstellung umgebaut, deshalb sind bis zum 10. Juli alle Türen des zentralen Raums dicht. Nun aber hat die Temporäre Kunsthalle gleich noch zweimal abgeschlossen und ihre Pressekonferenz zum Programm des zweiten und letzten Jahres kurzfristig abgesagt.

Man kann das verstehen, denn die Situation auf dem Podium wäre ohnehin schwierig gewesen: Dort hätte mit Thomas Eller der alte Geschäftsführer an seinem letzten Tag gesessen. Und neben ihm Benjamin Anders, der diesen Part ab heute übernimmt und alles richten soll, was Eller in den wenigen Monaten seiner Anwesenheit glücken sollte.

Dazu gehörte auch, mehr Besucher in die Ausstellungen zu locken. Nun aber ist der künstlerische Beirat demonstrativ zurückgetreten und möchte sich nach internen Informationen auch der Aufsichtsrat von seinen Aufgaben entbinden lassen (Tsp. vom 27.6.). Dieser Abgang bringt nicht nur die Zurückbleibenden in Erklärungsnot. Er zeigt, dass in der Kunsthalle vieles schiefläuft.

Besser als der radikale Rückzug wäre deshalb ein Festhalten am Termin oder wenigstens ein Statement zur aktuellen Lage gewesen. Dass sich mit Julian Heynen (K21, Düsseldorf), Dirk Luckow (Deichtorhallen Hamburg), Gerald Matt (Kunsthalle Wien) und Katja Blomberg (Haus am Waldsee, Berlin) die Leiter von vier profilierten Häusern nicht länger mit der Temporären Kunsthalle identifizieren wollen, wirft Fragen auf. Zumal die ehrenamtlich Engagierten nach den ersten von ihnen verantworteten Ausstellungen ohnehin auf „junge Kuratoren“ setzten, die ab Herbst mit „Themen- und Gruppenschauen“ folgen sollten.

Nun bleiben die Details zum künftigen Ausstellungsprogramm ebenso unklar wie die Zukunft der Kunstkiste überhaupt. Dabei wäre es wichtig zu wissen, woran der lang ersehnte Ausstellungsort für zeitgenössische Kunst eigentlich krankt. Schließlich ist nicht nur Klaus Wowereit als Regierender Bürgermeister fest entschlossen, einen Nachfolger der Kunsthalle am Humboldthafen für 30 Millionen Euro zu installieren. Auch seine Gegner, die Wowereits Pläne für eine rein strategische Maßnahme halten, mit dem das brache Gelände nahe dem Hamburger Bahnhof städtebaulich aufgewertet werden soll, bräuchten einen Batzen dieser Summe, um die ehemalige Blumengroßmarkthalle an der Friedrichstraße zum Ausstellungsort nach ähnlichem Konzept umzubauen.

Vielleicht hilft ein Blick auf die innere Verfasstheit des Patienten am Schloßplatz, der die Erwartungen unterschiedlichster Partner erfüllen muss. Zu ihnen gehört die Stiftung Zukunft Berlin, in der neben dem ehemaligen Berliner Senator Volker Hassemer auch Sammler Dieter Rosenkranz sitzt. Er hat als Mäzen die Realisierung der Kunstkiste überhaupt ermöglicht und wird nun noch einmal viel Geld in das Projekt stecken, damit die Temporäre Kunsthalle ab jetzt auf Eintrittsgelder verzichten kann. Dafür pocht er im Namen der Stiftung auf ein populäreres Programm und soll auch in der Vergangenheit Künstler abgelehnt haben, weil ihm deren Arbeiten für ein größeres Publikum zu gewagt erschienen.

Wie eine Ausstellung von zeitgenössischer Kunst mit populärer Breitenwirkung aussehen kann, verraten vielleicht die nächsten Projekte. Die ersten drei Ausstellungen in der Temporären Kunsthalle erfüllten die Erwartungen der Initiatoren jedenfalls nicht. Obwohl sie exakt der jetzigen Idee entsprachen: Mit Candice Breitz, Simon Starling und Katharina Grosse waren arrivierte Künstler mit verständlichen Positionen und mit Berlin-Bezug zu sehen.

Und doch zeigen alle, dass reines Name-Dropping nicht funktioniert. Ebenso wenig wie eine Soloschau, wo im Fall von Breitz oder Starling bekannte Arbeiten zur unterfinanzierten Ausstellung montiert werden. Beides, die Kunsthalle als massenkompatibles Instrument und als Bühne unentschlossener Konzepte, taugt nicht für die Zukunft. Eine solche Halle ist in der Tat überflüssig.

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