Kultur : Berliner Kunstpreis: Gespräch mit Katharina Grosse

Sind Sie aufgeregt?

Sind Sie aufgeregt?

Nein. Es ist wie ein Losgewinn. Ich habe keinerlei Erwartung. Ich gönne den Preis jedem, der ihn kriegt. Was mich lediglich irritiert, ist die Tatsache, wie wir als Künstler vorgeführt zu werden.

Haben Sie den Preis verdient?

Ja, habe ich. Meine Arbeit ist toll.

Was werden Sie mit dem Geld machen?

Ich habe es bereits ausgegeben, gewissermaßen. Denn ich muss hohe laufende Kosten tragen, für Material, Mitarbeiter und Räumlichkeiten aufkommen. Und es ist nicht ganz billig, Projekte unabhängig von äußeren Vorgaben zu erarbeiten. Wenn ich aber könnte, würde ich ins Ausland gehen, nach Indien, wo ich gerne eine Zeit lang leben und malen würde, um meine Arbeit in einem völlig fremden kulturellen Umfeld kennenzulernen.

Sie sind 39 Jahre alt. Kommt der Preis zum richtigen Zeitpunkt?

Nö. Wenn er kommt, dann kommt er halt. Außerdem habe ich keinen Einfluss auf die in mich gesetzten Erwartungen. Ich kann sie deshalb auch nicht erfüllen - oder enttäuschen.

Wie würden Sie jemandem Ihre Arbeiten beschreiben, der Ihre Kunst nicht kennt?

Ich stelle meine Malerei stets in unmittelbare Beziehung zum Umfeld. Im Hamburger Bahnhof wollte ich eine Situation schaffen, die mir einen direkten Zugriff auf den Raum ermöglicht - und zugleich einen Widerspruch zur Struktur der Halle formuliert. Die Malerei riskiert zwar in dieser Situation ihre Autonomie, etabliert jedoch im Bildfeld eine eigene Ortsqualität, die sie von den Gesetzen des Umfeldes unabhängig macht.

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