Berliner Kunstsalon : Plüsch-Porno

Etliche der 60 Aussteller des 6. Berliner Kunstsalons besinnen sich auf Häusliches. Aber die Plüschtiere sind kein bisschen brav.

Jenny BeckerD
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Kuschelmonster der Kindheit. Christoph M. Löfflers Hasenbild "Frank". -Foto: Kunstsalon

Der Helikopter fletscht die Zähne, angriffslustig steht er im Innenhof des Humboldt-Umspannwerks auf dem 6. Berliner Kunstsalon. Urban-Art-Künstler haben den ausrangierten Militärhubschrauber mit lieblichen Fantasy-Figuren und Science-Fiction-Monstern bemalt – ein Vorgeschmack auf die Kunst, die auf den 7500 Quadratmetern des alten Backsteinbaus präsentiert wird. In diesem Jahr schlägt die Guerilla zu. Graffiti und Comic, Militär und Porno gehören zu ihren Waffen. Das Rotkäppchen der Künstlerin Beastiestylez räkelt sich lasziv in seinem Rahmen; auch die Plüschtiere sind kein bisschen brav, und die kuscheligen Gesellen auf Christoph M. Löfflers Ölporträts blicken latent böse. Sein grüner Hasenkopf: eine Kreuzung zwischen einem Playbunny und der Mörderpuppe Chucky.

Etliche der 60 Aussteller besinnen sich auf Häusliches. Der Kunstraum Richard Sorge präsentiert altes Handwerk, zeitgenössisch aufbereitet: gehäkelte Pornofiguren, eine bestickte Autotür, Backwerk mit Hakenkreuzen. Überall Neo-Traditionelles: Die Berlinerin Ulrike Stolte präsentiert große Bilder aus Textil, die Japanerin Akiko Ozasa stickt mit Nähgarn Militärflugzeuge auf die Leinwand, die Koreanerin Jeongmoon Chai kreiert magische Rauminstallationen, indem sie Bilder aus weißem Wollfaden zeichnet und mit UV-Licht bestrahlt.

Weniger grell und oft ins Abstrakte verfremdet sind die Fotografien. Vor den Arbeiten von Eiko Sabela verbiegen sich die Besucher, spiegeln die monochrom anmutenden Flächen doch zunächst nur den Betrachter. Unter dem Plexiglas schimmern gleichwohl schemenhafte Strukturen: Der Künstler hat bis zu 20 Architekturmotive übereinandergelagert. Man kann sich in ihnen verlieren. Jenny Becker

Humboldt Umspannwerk, Kopenhagener Str. 58; bis 27.9., 14 –22 Uhr, So 12–20 Uhr. Katalog 10 € (online kostenfrei). Den Fotos ist ein eigenes kostenfreies Heft gewidmet. Infos: www.berlinerkunstsalon.de

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